Start 2019 in Lilienthal geplant
Verein will auf dem Gelände des Niels-Stensen-Hauses sein alternatives Konzept verwirklichen

Lilienthal. Die Anträge sind gestellt, der Standort ist gefunden: Auf dem Gelände des Niels-Stensen-Hauses in Worphausen soll im kommenden Jahr die Freie Schule Lilienthal gegründet werden. "Wir sind angemessen verhalten-euphorisch, dass es 2019 losgehen kann", sagt Jan Tews vom Vorstand des Vereins "Entfaltungspunkte", der die neue Schule plant. Die Genehmigung des Kultusministeriums stehe derzeit zwar noch aus, doch die Signale seien positiv, sagt der Vorsitzende aus Soderstorf im Landkreis Lüneburg. Für grundsätzlich tragfähig und gut habe die Landesschulbehörde das Konzept befunden.

Der Plan des Vereins sieht vor, zweigleisig zu fahren: Grundschüler sowie Kinder der fünften und sechsten Klasse und damit des Sekundarbereichs I sollen zum Start an der neuen Schule unterrichtet werden. Interessenten gibt es genug, für den "ersten Rutsch" habe man genügend Anmeldungen von Eltern, die ihre Kinder dort unterrichtet sehen wollen. "Vorgesehen ist, dass wir mit 15 bis 17 Kindern im Grundschulbereich starten, das gleiche gilt für die geplante Gesamtschule", berichtet Tews.

Bei diesen Dimensionen wird klar: Viel wird die neue Schule nicht dazu beitragen können, die Grundschulsituation in der Gemeinde Lilienthal zu entspannen, zumal etliche Schüler voraussichtlich nicht aus Lilienthal kommen werden. Der Einzugsbereich ist bei einem solchen speziellen pädagogischen Angebot größer als üblich gefasst. Eltern nehmen teils weite Anfahrten in Kauf. So liegt zum Beispiel eine Anmeldung für ein Kind aus Weyhe vor, heißt es. Doch es soll auch Eltern geben, die wegen der neuen Schule nach Lilienthal ziehen wollen. Auch Lehrkräfte für die angepeilte Schule sollen in den Startlöchern stehen: Bewerbungen von überall her habe man erhalten, Akademiker mit Erfahrung in diesem Schulzweig, aber auch junge Leute, die gerade ihren Abschluss an der Uni gemacht haben, berichtet Tews. Die Schulverträge mit Eltern und die Arbeitsverträge mit den Lehrkräften können jedoch erst unterzeichnet werden, wenn es von allen Seiten grünes Licht gibt.

Dazu gehört natürlich auch die Finanzierung, die gesichert sein muss. Um die 350?000 Euro, eher etwas weniger, werden nach Auskunft des Vereins nötig sein, um den Schulbetrieb in den ersten drei Jahren bewerkstelligen zu können. Einen Teil davon tragen die Eltern mit der Zahlung des Schulgeldes von durchschnittlich etwa 180 Euro im Monat – gestaffelt je nach Einkommen der Eltern. Und auch ein Darlehen wird nötig sein, um die ersten drei Jahre über die Runden zu kommen. Erst wenn diese Frist verstrichen ist, werden vom Land Niedersachsen Zuschüsse gewährt, mit denen dann die Kredite getilgt werden sollen.

Die neue Schule soll sich von dem konventionellen Schulbetrieb deutlich unterscheiden, wobei die Initiatoren das vorhandene Angebot keinesfalls verteufeln wollen. Der Ansatz, wie Kinder dort lernen, sei eben ein anderer und weit davon entfernt, den gängigen Klischees nach dem Motto "Und jetzt tanzt jeder mal seinen Namen" zu entsprechen. Anders heißt: Projektbezogen und selbstständig sollen die Kinder an der geplanten Schule lernen, die Unterrichtszeit wird flexibel gehandhabt, und Lehrkräfte heißen Lernbegleiter. Der Schwerpunkt der neuen Schule soll auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik liegen. Und vorgesehen ist schließlich, dass die Kinder an der neuen Schule später ihre ganz normalen Abschlüsse machen können.

Das Konzept klingt nach großer Freiheit, doch auf der anderen Seite stehen die Kinder unter genauer Beobachtung: In wöchentlichen Berichten wird festgehalten, auf welchem Lernstand sich das Kind gerade befindet und wo es noch nachsteuern sollte. Zeugnisse mit Schulnoten sind nicht vorgesehen, dafür Zeugnisbriefe, die eine Art Leistungsprofil des Kindes darstellen sollen. "Diese Briefe lassen keinen Zweifel, was für das Kind gerade an der Schule geht und was nicht", sagt Jan Tews.

Der Mann aus der Lüneburger Heide ist von Beruf Unternehmensberater und hat bereits Erfahrungen bei Gründung und Betrieb einer freien Schule im Vorstand einer Montessori-Schule gesammelt. Zusammen mit einer Kollegin bildet er den professionellen Part der Schulgründungs-Initiative, der die Dinge vom Konzept bis zu den Anträgen beim Kultusministerium oder der Baubehörde sowie bei den Verhandlungen mit den Banken voranbringt. Die professionelle Herangehensweise und Vorbereitung sollen verhindern, dass die neue Schule Schiffbruch erleidet, wie das häufiger geschieht, wenn Eltern allein ein solches Vorhaben stemmen wollen.

Doch natürlich spielt das Elternengagement auch eine wichtige Rolle. Einer, der sich für die Gründung der Schule stark macht, ist Nicolas Barro, der selbst in Worphausen wohnt. Er selbst findet es wichtig, dass sich die neue Schule stärker um den Bereich der Informatik und Technik kümmern will, als dies an herkömmlichen Schulen der Fall ist. "Die Digitalisierung nimmt zu und von den Kindern ist Medienkompetenz gefragt. Viele Lehrer wissen mit den neuen Techniken aber nicht umzugehen. Dabei wird Programmieren schon bald genauso wichtig sein wie das Lesen", ist er überzeugt.

Um das Risiko zu minimieren, dass die neue Schule eine Bauchlandung hinlegt, setzen die Verantwortlichen im Verein auf Sicherheit. Garant für den dauerhaften Bestand soll sein, dass die Schule eher verhältnismäßig klein anfängt und sich dann langsam am Bedarf orientiert weiter entwickeln soll. Um flexibel zu bleiben, soll die neue Schule in Modulbauweise errichtet werden. Der Bauantrag dafür ist auf den Weg gebracht. Auf der Suche nach einem möglichen Standort hat der Verein "Entfaltungspunkte" bewusst Bremen ausgeklammert. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass freien Schulen dort von der Bildungsbehörde eher das Leben schwer gemacht werde. Der Eindruck: Freie Schulen seien dort nicht erwünscht.

Der Förderverein der Stiftung Leben und Arbeiten verpachtet das Grundstück an den Schulverein, so lange das Niels-Stensen-Haus die Fläche nicht für eigene Zwecke benötigt. "Es geht um die ersten drei Jahre", sagt Karsten Kahlert für den Vorstand. In unmittelbarer Nähe zum Café Niels und dem neuen Wohnprojekt auf dem Gelände ist noch eine Fläche frei, die nun für die Errichtung des Schulgebäudes aus Containern genutzt werden soll. Wie es danach für die Schule weitergeht, ist noch nicht geklärt.

Näheres zum Verein und der geplanten Schule im Internet unter www.entfaltungspunkte.de.

Quelle: Wümme-Zeitung, 08. Dezember 2018

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