De Worphüser spielen seit 50 Jahren plattdeutsches Theater und feiern am 17. März wieder Premiere

Erinnern sich an bewegte Bühnenjahre: Klaus Meyer, Helga Klutentreter, Erwin Bornemann und Bärbel Meyer (von Links) von der Theatergruppe DE WORPHÜSERLilienthal. „Wir sind 68er“, sagen die Worphüser. Wenn auch nicht die 68er, die einem sofort einfallen. Die „in Kommunen über Rudi Dutschke und Ho Chi Minh diskutierten und täglich die Pekinger Volkszeitung lasen“. Die Worphauser 68er haben nicht wie die 68er aus dem benachbarten Bremen auf Straßenbahnschienen gesessen und sich über erhöhte Fahrkartenpreise aufgeregt. Sie haben damals keine Schienen betreten, dafür aber „zum ersten Mal die Bretter, die die Welt bedeuten“. De Worphüser spielen seit einem halben Jahrhundert plattdeutsche Theaterstücke.

Helga Klutentreter ist von Anfang an dabei. Sie war 18 Jahre alt, als sie 1968 gefragt wurde, ob sie bei einer neuen Theatergruppe nicht das Soufflieren übernehmen wolle. „Oh ja!“, rief sie begeistert. „Dazu habe ich Lust.“ Eine Entscheidung fürs Leben. Helga Klutentreter konnte nicht mehr lassen von Bühnenluft und Theatertexten, die sie schon bald nicht mehr nur im Souffleusenkasten umtreiben sollten. Das Rampenlicht lockte, und längst zählt Helga Klutentreter auch auf der Bühne zum bewährten Worphüser-Team. Im Jubiläumsstück, dessen Premiere am Sonnabend, 17. März, ab 20 Uhr in Gerdes Landhaus in der Worphauser Landstraße 65 zu sehen ist, spielt sie dieselbe Rolle wie vor 26 Jahren: Auguste Brammer aus „Mien Mann, de föhrt to See!“.

„Zum Jubiläum spielen wir dieses Stück von Wilfried Wroost wieder“, erzählt Klaus Meyer, der seit einem Vierteljahrhundert bei den Worphüsern Regie führt und damals ebenfalls in dem Stück mitspielte. Auch diesmal schlüpft Klaus Meyer in eine Rolle. Er verwandelt sich in den Schiffskoch Karl Brammer. Regie führen und spielen lässt sich relativ gut unter einen Hut bringen, weil Karl Brammer die meiste Zeit – „mien Mann, de föhrt to See!“ – durch Abwesenheit glänzt. „Das Stück ist ein Klassiker für das plattdeutsche Theater“, sagt Klaus Meyer. Den Text hat er ein bisschen bearbeitet. „In der Original-Fassung wird den Zuschauern zu viel erklärt“, findet der Regisseur. „Das ist als ob dir jemand einen Witz erzählt und den dann nochmal erklärt.“ Muss nicht sein. Das Publikum ist plietsch genug. Und außerdem den Spielern auf der Bühne in dem Wissen, was geschehen wird, immer ein kleines Stückchen voraus. Das treibt den Zuschauern das Grienen ins Gesicht und steigert deren Vergnügen.

ZU IHREM 50-JÄHRIGEN BÜHNENJUBILÄUM ZEIGEN DE WORPHÜSER DAS STÜCK „MIEN MANN, DE FÖHRT TO SEE!“ VOR 26 JAHREN HABEN SIE ES SCHON EINMAL GESPIELT. KLAUS MEYER UND HELGA KLUTENTRETER (VON RECHTS) SPIELEN AUCH DIESMAL WIEDER MIT.Damit das so ist, bereiten sich die Worphüser ein halbes Jahr lang vor. Klaus Meyer spricht von einem Virus. Das passt in die Zeit. Viren kommen so sicher wie Weihnachten, und sie genießen nicht den besten Ruf. Viren will keiner haben. Nur diese muntere Gruppe Lilienthaler freut sich, wenn sie der Virus befällt. Aber das ist auch ein ganz besonderer. Einer, der fröhlich stimmt und für Tatendrang sorgt. „Wenn der Sommer vorbei ist und das Wetter im Herbst gries und grau wird, dann kommt er und treibt dich zu den Proben. Man kann sich nicht dagegen wehren“, erzählen ein paar langjährige Bühnenmitglieder. Wenn der Herbst kommt, befällt sie der Theater-Virus. Und das schon sehr lange sehr erfolgreich. Das erste Stück der Worphüser hieß „Piepenbrinks op Bruutschau“. Es wurde für eine einzige Aufführung einstudiert, kam aber so gut beim Publikum an, dass nicht nur klar war, dass die Theatergruppe weitermachen, sondern künftig auch mehrere Vorstellungen anbieten würde. Damals gehörten auch Einakter noch zum Repertoire. Die brachten De Worphüser 1973 und 1975 so gelungen auf die Bühne, dass sie „beim Wettspiel auf Gut Hodenberg den begehrten Senatswanderpreis der Freien Hansestadt Bremen gewannen“, berichten die Spieler rückblickend.

Überhaupt die Erinnerungen! Es liegt auch an ihnen, dass Mitspieler wie Erwin Bornemann seit vielen Jahren der Theatergruppe die Treue halten. Sie haben so viel miteinander erlebt und sich manches Mal vor Lachen gebogen. Da war diese Aufführung. Plötzlich wurde es auf der Bühne zappenduster. Helga Klutentreter war nicht ganz unschuldig. „Wir saßen hinter der Bühne und warteten auf unseren Einsatz“, erinnert sie sich und schmunzelt. Eine Lampe sorgte dort für Licht. Nur dumm, dass sie der Schauspielerin störend ins Gesicht schien. Also zog Helga Klutentreter den Stecker. Es habe nicht lange gedauert, bis der Regisseur aufgeregt hinter den Kulissen erschien und ihr klar machte, dass sie gerade den ganzen Bühnenbetrieb lahmgelegt hatte. Damals steckte in den Proben und den Aufführungen noch eine gewisse Lässigkeit, berichtet Erwin Bornemann. „Wir mussten vor der Vorstellung immer an der Theke vorbei.“ Soll heißen: Bevor es auf die Bühne ging, gab es erstmal einen Steinhäger. Oder zwei. Und bei der Aufführung klemmte bei manchen auch öfter mal der Text. „Dann hatten wir unsere Tricks.“ In einem Stück gehörte ein Ofen zur Kulisse. Wenn ein Schauspieler einen Hänger hatte, machte er sich an dem Ofen zu schaffen. „Für die Souffleuse war das ein eindeutiges Zeichen.“ Damals habe das Publikum locker darüber hinweggehört, wenn die Toseggersche bis zur letzten Reihe vernommen wurde. „Heute hat sich die Erwartung der Zuschauer geändert“, weiß Klaus Meyer. „Damals wollten sie sich einfach nur amüsieren. Heute sind die anspruchsvoller und vergleichen die Aufführungen der verschiedenen Bühnen.“ Aber diese „Worphüser Seele“, meint er, „steckt noch immer in uns drin“.

Zwei Glücksfälle

Da schwingt immer noch etwas mit von den alten Bühnen-Originalen wie Heini Behrens, Lina Kück oder Schorse Ludwigs. Das spürt man, wenn die Worphüser von den damaligen Stars aus ihren Reihen erzählen. Die waren so beliebt wie Heidi Kabel und Henry Vahl vom Ohnsorg-Theater, erinnert sich Klaus Meyer. Wenn die mal in einer Kömodie nicht besetzt waren, dann hieß es: „Oh, Henry Vahl makt nich mit – denn is dat nix!“ Heute gucken De Worphüser nicht nur nach achtern, sondern auch nach vorn. Klaus Meyer legt die Stirn in Falten. Schauspieler-Nachwuchs zu finden ist nicht leicht. Ihn zu halten noch schwieriger. „Die jungen Leute gehen ins Studium oder in den Beruf und sind wieder verschwunden.“ Aber jetzt freut sich die Theatergruppe, die dem Landesverband der Bremer Amateurtheater angeschlossen ist, erstmal über „twee ganz frische Gesichter op den Bühn“. Mit Franziska Dwortzak und Kilian Prigge konnten sie zwei junge Mitspieler gewinnen, die durch ihr Elternhaus mit der plattdeutschen Sprache vertraut sind. Zwei Glücksfälle. Einen guten Monat werden De Worphüser ihre Komödie in Gerdes Landhaus aufführen. Dann kommt bald der Sommer und mit ihm eine Pause fürs Theater. Aber danach, das ist sicher, schlägt wieder der Virus zu.

Premiere von „Mien Mann, de föhrt to See!“ ist am Sonnabend, 17. März, ab 20 Uhr. Eine Woche später, am Sonnabend, 24. März, steht ab 18 Uhr die Jubiläumsaufführung mit Festansprache und Tanz auf dem Programm. Weitere Abendvorstellungen ab 20 Uhr gibt es am 18. und 29. März sowie am 7., 8., 14., 15. und 22. April. Nachmittagsvorstellungen mit Kaffee und Kuchen bieten De Worphüser für den 15. und 22. April, ab 14.30 Uhr an. Bei Bärbel Meyer gibt es Karten im Vorverkauf. Sie können montags bis freitags zwischen 10 und 12 Uhr und zwischen 17 und 19 Uhr unter Telefon 0?42?98?/?46?79?62 reserviert werden.

Quelle: Wümme-Zeitung, 15. März 2018

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