Streit um die Lüninghauser Straße - Gemeinde Lilienthal will Hochstufung der Lüninghauser zur Kreisstraße erreichen und plant weiteres Gutachten

Lilienthal. Die Gemeinde Lilienthal will ihre Bemühungen fortsetzen, die Lüninghauser Straße zu einer Kreisstraße hochstufen zu lassen. Ein zweites Gutachten samt Befragung der Autofahrer soll nun her, um methodisch sauber aufzuzeigen, welche Rolle die Gemeindestraße für den überörtlichen Verkehr spielt. Beim Landkreis Osterholz beißen die Lilienthaler auf Granit. Die Kreisverwaltung lehnt die Hochstufung ab und verweist auf das vorhandene Kreisstraßennetz, das aus ihrer Sicht völlig ausreicht. Gut möglich, dass der langjährige Streitfall am Ende beim Verkehrsministerium in Hannover landet.

Im Frühjahr 2016 waren die Autos auf der Strecke zwischen Worphausen und Frankenburg schon einmal im Auftrag der Gemeinde Lilienthal gezählt worden. Dabei kam heraus, dass täglich 3230 Fahrzeuge über den Asphalt rollen und der Anteil der Fahrzeuge von außerhalb des Landkreises mit 25,2 Prozent höher ausfällt als auf der benachbarten Landesstraße 153. Der Landkreis zweifelte in der Folge die Aussagekraft der Untersuchung an. Um die Verkehrsströme zuverlässig ermitteln zu können, reiche es nicht aus, nur die Kennzeichen der jeweiligen Autos zu notieren und aufzuschreiben, aus welcher Richtung sie beim Einbiegen in die Lüninghauser Straße kommen oder wohin sie abbiegen, wenn sie die Straße wieder verlassen. Nötig sei eine Befragung der Autofahrer. Laut Stephen Riemenschneider, Chef des Baudienste-Fachbereichs im Lilienthaler Rathaus, werden Autofahrer bei einer solchen Erhebung lediglich stichprobenartig befragt. An einzelnen Stellen würden sie mit Unterstützung der Polizei herausgewunken. Die Befragung aller Autofahrer wäre auch schwer umsetzbar. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass Verkehr bei einer solchen Aktion über Stunden lahmgelegt wäre. Das will natürlich niemand.

Der Gemeinderat muss am 12. Dezember entscheiden, ob die 15 000 Euro für die neuerliche Untersuchung im nächsten Jahr ausgegeben werden sollen. Gegenstimmen aus der Politik sind bisher nicht zu vernehmen gewesen. Vor allem die Sozialdemokraten im Gemeinderat hatten sich stets für die Höherstufung eingesetzt. SPD-Mann Rolf Nordmann hatte sich nach dem ersten Gutachten schon zuversichtlich gezeigt, dass dem Landkreis angesichts der Fakten nichts anderes übrig bleibe, als die Lüninghauser Straße umzuwidmen.

Doch das Ganze scheint die Osterholzer Behörde weniger zu beeindrucken als von dem SPD-Ratsherrn vermutet. Denn der Landkreis hat einen komplett anderen Blick auf die Lage: Bau- und Verkehrsdezernent Dominik Vinbruck geht es weniger um die Zahl der Autos von außerhalb, die auf der Strecke unterwegs sind, als vielmehr um die Verbindungen, die es heute schon gibt, um den überörtlichen Verkehr aus Richtung Worpswede nach Bremen oder von Osterholz-Scharmbeck nach Lilienthal abzuwickeln. Und da ist seine Botschaft klar: Das Netz der Kreisstraßen in Verbindung mit der Landesstraße 153 reicht für den Zweck vollkommen aus. Anlass für eine Umstufung gebe es nicht. „Die überörtlichen Beziehungen werden im Umfeld der Lüninghauser Straße durch Landes- oder Kreisstraßen erfüllt“, sagt er.

Kein Geld für eine Sanierung
Dass die Lüninghauser Straße als Ausweichstrecke gern genutzt wird, weiß man auch beim Landkreis. Doch die Belastung für die Anwohner werde nicht besser, wenn sie als Kreisstraße ausgewiesen wäre. Denn dann würden Autofahrer von außerhalb gezielt über diese Strecke geschickt. Und ist die Lüninghauser Straße erst einmal Kreisstraße, wären auch Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung nur noch schwer umzusetzen. Tempo 30 könnte allenfalls vor der Schule durchgesetzt werden, ansonsten müsse alles so gestaltet sein, dass die Autos durchgängig mindestens 50 Kilometer in der Stunde fahren können.

Auch die Rechnung, die Gemeinde könnte die Kosten für die fällige Sanierung der Lüninghauser Straße sparen, indem sie die Strecke an den Landkreis abtritt, geht nicht auf. Laut Baudezernent Vinbruck müsste die Straße im Fall der Fälle fertig saniert an den Landkreis übergeben werden oder die Gemeinde müsste alternativ einen finanziellen Ausgleich zahlen. Dass sich die Gemeinde vorbehält, beim Landesverkehrsministerium Beschwerde gegen das Nein des Landkreises zur Umstufung der Lüninghauser Straße einzulegen, sei ihr gutes Recht, sagt der Baudezernent.

So lange über die Zuordnung der Lüninghauser Straße nicht abschließend entschieden ist, passiert an der Strecke nicht viel. „Wir halten die Straße in einem verkehrssicheren Zustand“, sagt Baudienste-Chef Riemenschneider. Der freie Abschnitt außerhalb der Wohnbebauung ist laut Gemeindeverwaltung vor drei Jahren saniert worden, Moorlinsen wurden dort entfernt. Der Plan, die freie Strecke auszubauen, war von den Ratspolitikern wieder einkassiert worden. Für den Bau von Leitplanken hätte die Birkenallee gefällt werden müssen und dagegen formierte sich Widerstand. Den Zustand der Straße auf dem Rest der Strecke in Richtung Worphausen bezeichnet die Gemeinde als „stark unterhaltungsbedürftig“. Wegen der unklaren Zukunft hat die Gemeinde fürs kommende Jahr jedoch keine Gelder im Straßensanierungsprogrammn vorgesehen, um die Lüninghauser Straße wieder auf Vordermann zu bringen.

Quelle: Wümme-Zeitung, 27. November 2019

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