Baufirma saniert abgesackte Moorstraßen in Lilienthal – Torflinsen werden ausgebaggert

Lilienthal. Die anhaltende Hitze des vergangenen Sommers hat den Moorstraßen in der Region ganz schön zugesetzt. In Lilienthal sorgt die Gemeinde gerade dafür, dass einige größere Bodenwellen verschwinden. Im Seeberger Moor, in der Mooringer Straße und in der Westerweder Straße wird gebaggert. Damit die neue Straßendecke bei der nächsten Trockenheit nicht sofort wieder absackt, werden die Torfschichten aus dem Untergrund herausgeholt und durch Sand ersetzt. Viel Aufwand, doch technisch wohl die einzige Möglichkeit, um den Straßen auf längere Sicht wieder Halt zu geben.

Frühmorgens auf der Baustelle Mooringer Straße: Jens Leimke und sein Team von der Firma Winkler haben sich die Stelle in der Nähe der Hausnummer 18 vorgeknöpft. Gut einen Meter unter der Fahrbahnhöhe beginnt die schwarze Torfschicht, die sogenannte Moorlinse, auf die es die Tiefbau-Leute abgesehen haben. Um sie herauszuholen, muss der Bagger an dieser Stelle fast drei Meter tief graben. Anderswo, so wie am Seeberger Moor, war schon nach zwei Metern fester Grund erreicht.

Wer glaubt, man könne beim Blick ins große Baggerloch die Umrisse der torfigen Linse erkennen, sieht sich getäuscht: Klar, irgendwann in grauer Vorzeit sollen sie aus Senken entstanden sein, in denen sich dann Hochmoor gebildet hat - eingebettet in Sand- oder auch Tonschichten. Doch welche Ausmaße diese Inseln im Untergrund annehmen, lässt sich nur schwer abschätzen. Gefühlt schlummert unter der Mooringer Straße eine einzige große Torflinse. Die Baufirma hätte wohl noch auf Monate zu tun, wenn sie alles anfassen wollte. Doch die Gemeinde kann sich allein schon aus finanziellen Gründen nur aufs Nötigste beschränken und muss zusehen, dass wenigstens die gefährlichsten Absackungen im Asphalt verschwinden. Vielleicht muss man es so sehen: Die verbleibenden Bodenwellen tragen zumindest dazu bei, dass auf der Strecke nicht zu sehr gerast werden kann, es sei denn, die Fahrer riskieren Schäden für Leib und Auto.

Landwirt erhält den Torf-Aushub

Leimke zeigt in das große Baggerloch: Daumendicke Risse durchziehen den Torf und deuten an, wie sehr sich das Zeug durch die Trockenheit zusammengezogen haben muss. Alles ist bröselig und fällt bei jeder Berührung mit der Baggerschaufel auseinander. "Hier ist der Torf ja noch leicht feucht. Aber an der anderen Stelle, an der wir schon gearbeitet haben, war er furztrocken", berichtet der Vorarbeiter.

Das, was da herausgeholt wird, bleibt in der Nachbarschaft: Der Kipper bringt den Torf rund zwei Kilometer weiter in Richtung Kirchdamm und lädt ihn auf einer Wiese ab. Johann Helmken hat das mit der Baufirma klargemacht. Der Sohn des 89-Jährigen betreibt Landwirtschaft und kann den Torf gut gebrauchen. Denn nicht nur auf den Straßen hat die Trockenheit ihre Spuren hinterlassen, sondern auch auf den Äckern und Feldern. Auch sie sind teilweise abgesackt und die Landwirte erleben bei der Feldarbeit eine kleine Berg- und Talfahrt. Der Torf, der jetzt per Kipper herangekarrt wird, soll helfen, die größten Dellen auszugleichen und alles wieder ein bisschen auf Höhe zu bringen. Wer von der Straße aus nach rechts und links auf die Wiesen blickt, kann einen deutlichen Höhenunterschied ausmachen.

Auf besondere Fundstücke sind die Bauarbeiter beim Auskoffern der Mooringer Straße bisher noch nicht gestoßen - weder Moorleichen noch archäologische Schätze haben sie zutage gefördert. Ausgeschlossen ist so etwas grundsätzlich nicht: So berichtet Vorabeiter Leimke, dass Kollegen von ihm vor längerer Zeit mal bei Tiefbauarbeiten in Frankenburg nahe der Höge auf alte Holzbohlen gestoßen sind, die einst als Wegebefestigung gedient haben sollen.

Die Arbeiter der Firma Winkler wollen ihren Job in der Mooringer Straße bis zum Ende der Woche erledigt haben. Auch der 42 Meter lange Abschnitt, der zuletzt dran war, soll dann, wenn alles nach Plan läuft, mit einer neuen Asphaltdecke versehen sein. Anschließend zieht die Baustellen-Karawane weiter in die Westerweder Straße.

Baustellen im Gemeindegebiet

Wenn die Arbeiten an der Mooringer Straße erledigt sind, geht es weiter zur Westerweder Straße, wo ebenfalls Moorlinsen im Boden schlummern. Eine weitere Baustelle plant die Gemeinde Lilienthal am Falkenweg/Im Dreschlande, wo der Einmündungsbereich neu gepflastert werden soll. In drei Wochen soll das passieren. Das Ende der Bauarbeiten ist dagegen an der Bahnhofstraße/Ecke Zinckestraße in Sicht, wo im Auftrag der Gemeinde neun Parkplätze entstanden sind. Zum Wochenende soll die Vollsperrung verschwunden sein, heißt es aus dem Rathaus.

Quelle: Wümme-Zeitung, 17. Juli 2019

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