Amt genehmigt Dorfentwicklungsplan für Worphausen, Sankt Jürgen, Heidberg und Seebergen

Lilienthal. Das Amt für regionale Landesentwicklung hat den Dorfentwicklungsplan für Worphausen, Sankt Jürgen, Heidberg und Seebergen genehmigt. Nun geht es an die Umsetzung der Ideen, die die Menschen in der "4-Dörfer-Region zwischen Hamme und Wümme" im vergangenen Jahr zusammengetragen und in ihrem Leitfaden festgehalten haben. Fördergelder stehen in Aussicht, von denen auch Privatleute bei Um- und Neubauten ihrer Häuser in den Ortschaften profitieren können. Bis zum 15. September werden für 2019 Anträge entgegengenommen und danach jährlich weiter immer zum Stichtag bis zum Herbst 2024.

Lienhard Varoga vom Amt für regionale Landesentwicklung nutzte am Dienstagabend die Bürgerversammlung im Turmalinsaal des Niels-Stensen-Hauses in Worphausen, um den Dorfentwicklungsplan offiziell freizugeben. Die gute Nachricht für die Region hatte er sich  bis zum Schluss aufgehoben. Nachdem er allgemein über die Fördermöglichkeiten und -bedingungen referiert hatte, zog er die Genehmigung aus der Tasche und überreichte sie an Bürgermeister Kristian Tangermann. Die rund 50 Zuhörer im Saal applaudierten: Für die Mitstreiter ist das Papier eine Art Lohn für die viele Arbeit und Mühe, die sie im vergangenen Jahr in die Erstellung des Dorfentwicklungsplans gesteckt haben. Der Plan eröffnet den Menschen in den vier Dörfern neue Perspektiven.

Was von den Ideen letztlich umgesetzt werden kann, hängt zum einen davon ab, mit wie viel Geld der Europäischen Union die Fördertöpfe ausgestattet werden. Zum anderen wird es bei einigen Projekten auch auf die Gemeinde Lilienthal ankommen. Die Frage ist, inwieweit es der klammen Kommune gelingt, im Haushalt Gelder für die Co-Finanzierung freizuschaufeln. Dass der Gemeinderat geschlossen hinter dem Dorferneuerungsplan steht, hatte er im März deutlich gemacht, als er grünes Licht für den 270 Seiten umfassenden Leitfaden gab.

Neue Heizung für Brünings Hof

Für die öffentlichen Maßnahmen, für die noch in diesem Jahr Anträge gestellt werden sollen, gibt es bereits einen festen Fahrplan. Laut Bürgermeister Tangermann soll der Wiesendamm, der als beliebter Rad- und Wanderweg von Heidberg nach Grasberg führt, auf Vordermann gebracht werden. Eine neue Heizung soll im Seeberger Dorfgemeinschaftshaus Brünings Hof eingebaut werden, und auch der Bau von Stellplätzen vor dem Kindergarten ist geplant. Sanierungsarbeiten stehen für das  Dorfgemeinschaftshaus/Feuerwehrhaus in Worphausen auf dem Plan. Die Dorfgemeinschaftshäuser gelten als wichtige Treffpunkte, sie herzurichten passt zu dem Ziel der Dorfentwickler, die Menschen aus den vier Dörfern besser miteinander zu vernetzen.

Aussicht auf eine finanzielle Förderung von Baumaßnahmen haben nicht nur die öffentliche Hand oder Vereine, sondern auch private Hauseigentümer, die mit Baumaßnahmen etwas zum Erhalt des dörflichen Erscheinungsbildes beitragen wollen. Nicht nur Besitzer von denkmalgeschützten oder sonstigen ortsbildprägenden Bauten können sich angesprochen fühlen. Wer Erneuerungsmaßnahmen plant und bei der Gestaltung den dörflichen Charakter berücksichtigt, hat die Chance auf eine Zuwendung. Es geht um Dächer, Fenster, Fassaden oder Hofflächen. Auch Landwirte, die alte Ställe oder Scheunen anders nutzen wollen und dafür einen Umbau planen, können auf finanzielle Hilfe hoffen. Stellen natürliche Personen oder Vereine den Antrag, beträgt die Förderhöhe ein Viertel der Ausgaben, unter Umständen aber auch noch fünf Prozent mehr. 2500 Euro sind das Minimum der Zuwendung, sprich: Private Bauherren müssen mindestens 8240 Euro brutto investieren, um überhaupt zum Zuge kommen zu können. Pro Objekt werden maximal 50 000 Euro an Fördergeldern ausgezahlt. Kirchen, Wasser- und Bodenverbände sowie gemeinnützige Vereine erhalten einen höheren Förderanteil. Dort gewährt das Amt für regionale Landesentwicklung Fördergelder von bis zu 35 Prozent beziehungsweise 63 Prozent der Ausgaben.

Lienhard Varoga betonte, dass mit den Baumaßnahmen erst begonnen werden dürfe, wenn der Zuwendungsbescheid vom Amt für regionale Landesentwicklung vorliegt. "Wer sich nicht daran hält, ist raus aus der Förderung", sagte er. Die Anträge werden über die Gemeinde Lilienthal bei der Geschäftsstelle in Bremerhaven eingereicht. Sie werden dann nach einem festgelegten Schema bewertet. Daraus ergibt sich ein Ranking. Je nachdem, wie viel Haushaltsmittel zur Verfügung stehen, kommen die Anträge gemäß der Rangfolge zum Zuge, bis das Geld aufgebraucht ist.

Büro begleitet Umsetzung

Alle, die sich mit dem Gedanken tragen, einen Antrag auf Fördergelder zu stellen, sollen professionelle Unterstützung bei ihrem Anliegen erhalten. Ein Planungsbüro soll die Umsetzung der Dorfentwicklungsplanung begleiten. Laut Gemeindeverwaltung wird der Auftrag jetzt, wo die Genehmigung des Amts für regionale Landesentwicklung vorliegt, ausgeschrieben. Für die Erstellung des Dorfentwicklungsplanes hatte die Firma Sweco aus Bremen den Zuschlag erhalten.

Martin Heinlein aus Seebergen, einer der Sprecher der Lenkungsgruppe, zeigte sich erfreut über das Ergebnis der gemeinsamen Planung. Ausgangspunkt der Aktivitäten sei die Arbeit der Demografiekommission gewesen. In der Annahme, dass immer weniger Menschen in den Dörfern leben werden und kaum Kinder nachkommen, seien Schulen geschlossen worden. Dies sei der Anstoß gewesen, die Zukunftsplanung für die Dörfer in die eigene Hand zu nehmen. Mit der Gemeinde ziehe man mittlerweile an einem Strang. "Ich habe das Vertrauen, dass dieser Prozess fortgesetzt wird", sagte Heinlein.

Weitere Informationen zur Dorfentwicklungsplanung:  www.4doerferregion.de.

Quelle: Wümme-Zeitung, 27. Juni 2019

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