Initiative will Mehrgenerationen-Wohnprojekt realisieren / Eigene Energieversorgung

Lilienthal-Worphausen. Mehrere Generationen leben unter einem Dach - was über Jahrhunderte selbstverständlich war, ist in industriellen Gesellschaften fast völlig in Vergessenheit geraten, selbst in ländlichen Gebieten. Der Verein "Lebenswerk Worpswede" will genau dieses Konzept aber neu beleben und mit Inhalten füllen, die für Alt und Jung sinnvoll sind.

 

Was zunächst nach einem eher konservativen Ansatz klingt, entpuppt sich als visionäres Konzept, wie die Initiatoren Jutta und Wolfgang Bialek im Gespräch mit unserer Zeitung erläutern. Sie selbst waren auf der Suche nach einer Wohnform für das Alter, die nicht in sekundengenau bemessenen Pflegeeinheiten oder inhaltslosem Dasein endet. "Wir wollen in den eigenen vier Wänden sterben!", lautet zugespitzt ihr Anliegen und schnell fanden sie um die 80 Gleichgesinnte, die sich in dem Lebenswerk-Verein zusammenschlossen.

Dessen erstes Projekt ist die Gründung eines Waldorf-Kindergartens, der bereits in Form einer so genannten Tagesbetreuung im letzten Jahr den Betrieb aufnahm. Dieses Einstiegsmodell soll kurzfristig in eine Kindertagesstätte überführt werden, entsprechende Gespräche mit den Verantwortlichen in den Gemeinden Lilienthal, Grasberg und Worpswede werden zurzeit geführt. Die Anerkennung des Bedarfs nach einer solchen anthroposophischen Einrichtung für Kinder entpuppt sich trotz einer beachtlichen Zahl an Anmeldungen als zähes Ringen, wie Jutta Bialek berichtet. Das war den Verantwortlichen allerdings von Vornherein klar.

Mit diesem Angebot an die Jüngsten ist aber gleichzeitig auch der Startschuss zu dem ehrgeizigen Mehrgenerationen-Projekt gegeben. Hier sollen Wohnen, Leben und Arbeiten in einem nachhaltigen und sinnvollen Zusammenhang stehen. Oberstes Prinzip ist dabei ein freiwilliger Zusammenschluss, in dem jeder seine Fähigkeiten zum Wohle der Gemeinschaft einbringen kann, aber nicht muss. Dass der Anfang bei der jüngsten Generation gemacht wird, ist durchaus programmatisch, denn hier können Ältere zukunftswirksam tätig werden.

Der nächste Schritt soll sein, in einem ersten Bauabschnitt zehn Wohnungen für entsprechend viele interessierte Parteien zu schaffen. Es wird angestrebt, überschaubare Häuser mit maximal sechs Wohneinheiten zu schaffen. Geplanter Standort ist der nördliche Teil des Grundstücks des Niels-Stensen-Hauses. Während das Haus selber und ein Großteil des Areals von der befreundeten, ebenfalls anthroposophisch arbeitenden "Stiftung Leben und Arbeiten" erworben wurden (wir berichteten), sind die verbliebenen rund 30 000 Quadratmeter des Areals noch im Besitz des Bistums Hildesheim. Die Schweizer "Stiftung Edith Maryon" ist als Investor bereit, das Grundstück zu erwerben und es dem Lebenswerk auf Erbbaurecht-Basis zu überlassen.

Auch von Seiten des Bauamts wäre der Weg frei, rund um die beiden bestehenden Gebäude - ein Mietshaus und der zukünftige Kindergarten - das Wohnprojekt zu realisieren. Interessierte können wählen, ob sie als Besitzer eines Einfamilienhauses, einer Eigentumswohnung oder als Mieter mit Anteilen an einer noch zu gründenden Baugenossenschaft einsteigen wollen. Diese Genossenschaft soll Bauherrin und auch später als Vermieterin tätig werden. Die Mieten decken die Kosten für Unterhalt und Finanzierung, ein Profit wird nicht erwirtschaftet, so die Idee. In weiteren Bauphasen könnten zusätzliche Wohneinheiten, aber auch soziale Einrichtungen wie ein Therapeutikum und gar eine Schule, die den Ideen Rudolf Steiners verpflichtet ist, entstehen.

Bereits auf den Weg gebracht ist die Gründung einer Gesellschaft mit dem Namen "Licht und Wärme". Diese GmbH soll im Gegensatz zu den gemeinnützigen und genossenschaftlichen Projekten wirtschaftlich rentabel und ökologisch vernünftig Energie erzeugen. Durch Solaranlagen und Verbrennung von Holzhackschnitzeln soll nachhaltig und möglichst emissionsneutral Strom und Heizwärme abgegeben werden, die beispielsweise auch im Niels-Stensen-Haus oder dem benachbarten Worphauser Dorfgemeinschaftshaus genutzt werden könnten. Auch hier sind erste Gespräche geführt.

Wer an den Projekten des Vereins Lebenswerk interessiert ist, erreicht Wolfgang Bialek unter der Rufnummer 0 47 92 / 95 24 00. Weitere Informationen stehen im Internet auf www.lebenswerk-worpswede.de. Außerdem findet am 24. Mai von 15 bis 18 Uhr ein Tag der offenen Tür im zukünftigen Kindergarten, Worphauser Landstraße 59, statt, bei dem auch über das Mehrgenerationen-Projekt informiert wird.

Quelle: Wümme Zeitung, 13. Mai 2008 

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