Jugendleiter Thorben Segelken will mehr junge Menschen für seinen Schützenverein begeistern

VON PAUL HELLMICH

 

Lilienthal-Worphausen.

Die deutschen Schützen haben Nachwuchssorgen. Als Jugendleiter des Schützenvereins Worphausen versucht Thorben Segelken mit neuen Angeboten beim Schützenfest zu Himmelfahrt junge Menschen für seinen Sport zu gewinnen.

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Thorben Segelken (Mitte) und die Jugend des Schützenvereins Worphausen treffen letzte Vorbereitungen vor dem Schützenfest.FOTO: HASSELBERG

Thorben Segelken ist im Dezember Vater geworden. An der Wand in seinem Wohnzimmer hängt ein flachbildfernsehergroßes Foto von Sohn Melvin. Auf dem Boden ist eine Spiellandschaft aufgebaut, dahinter ein Regal mit seinen Pokalen. Segelken ist Sportschütze und Jugendleiter im Schützenverein Worphausen. Trotz Arbeit und Baby fährt der 23-jährige Elektroniker zweimal wöchentlich aus Woltmershausen nach Worphausen. Vier bis fünf Stunden pro Woche arbeitet der kräftig gebaute Mann mit dem jugendlichen Gesicht für seinen Verein.

Als Jugendleiter sitzt er im Vorstand, betreut und trainiert die 10- bis 20-jährigen Schützen und kümmert sich mit um die Öffentlichkeitsarbeit. Darüber hinaus ist er selbst Sportschütze und trainiert für Wettkämpfe. Dass Segelken mit elf Jahren in den Schützenverein eintreten würde, war abzusehen: Beide Eltern sind Schützen.

2006 wird er mit der Jugendarbeit in seinem Verein immer unglücklicher: „Der damalige Jugendleiter hat das Amt ein bisschen schleifen lassen.“ Dadurch hätten viele das Interesse verloren. Segelken beginnt, sich stärker zu engagieren, wird erst zum stellvertretenden Jugendleiter und dann 2010 in sein jetziges Amt gewählt. Die Zahl der jungen Mitglieder ist inzwischen wieder stabil. Gerade die Neuzugänge seien besonders aktiv, sagt Segelken und klingt stolz dabei.

Immer weniger Schützen

Sinkende Mitgliederzahlen sind für den Worphauser Schützenverein dennoch ein Problem. Um den Verein bekannter zu machen, haben die Mitglieder Broschüren drucken lassen, in denen die Vorzüge des Sports aufgelistet werden. Schießen fördere unter anderem die Konzentration, die innere Ruhe und das soziale Verhalten, heißt es da. Mit dem Prospekt sollen insbesondere die Menschen in den Neubaugebieten von Worphausen angesprochen werden, die den Verein noch nicht kennen.

Das Schützenwesen mit seinen Traditionen, die das Leben über den Sport hinaus prägen, ist Segelken wichtig. Allein mit Tradition werde sich der Sport aber nicht behaupten können, glaubt er: „Schießen muss ansprechender gemacht werden.“ Dieses Ziel versucht er zum Beispiel durch mehr Abwechslung bei traditionellen Schützenfesten zu erreichen. Besondere Hoffnung setzt er in das sogenannte Lichtpunktschießen, bei dem mit einem Laserstrahl auf elektronische Scheiben geschossen wird. Dieses virtuelle Schießen hat gleich zwei Vorteile. Zum einen lässt es sich problemlos auf Märkten und Festen zeigen: „An einem Infostand gehen alle vorbei. Aber wenn Lichtpunktschießen angeboten wird, wollen die Leute schießen. Da kommt man viel einfacher ins Gespräch.“ Dass auch Kinder unter zehn Jahren damit schießen dürfen, ist noch wichtiger. Die Altersbegrenzung für Luftwaffen ist Segelkens Meinung nach ein Grund für den Mitgliederschwund. In Fußballvereine können Kinder schließlich schon viel früher eintreten.

Auch auf dem diesjährigen Schützenfest zu Himmelfahrt wird es eine Lichtschießanlage geben. Die ist allerdings nur vom Kreisverband angemietet. Demnächst soll eine eigene gekauft werden – auch um mit anderen Vereinen mithalten zu können: „70 Prozent hier im Bezirk haben schon eine. Wir müssen irgendwann nachziehen.“

Der Vorwurf, dass mit Lichtgewehren schon die Kleinsten an Waffen herangeführt werden, sei ein wunder Punkt, gibt Segelken zu. „Aber bis auf den Holzadler schießen wir ja nicht auf Tiere und schon gar nicht auf menschliche Umrisse.“ Ein weiteres Argument der Kritiker sind die Verbindungen zwischen Schützenvereinen und Amokläufen. Segelken hält dagegen, dass Jugendtrainer seit 2006 einen Kurs belegen müssen, in dem sie lernen, Anzeichen für Gewaltbereitschaft zu erkennen und anzusprechen.

Segelken sieht Schützenvereine als Rundumpaket für die ganze Familie. Seine Freundin stamme aus der Stadt und fand die Uniformen, Orden und Bräuche im Verein zuerst ein bisschen komisch. Mittlerweile ist sie aber Mitglied, auch wenn sie selten selber schießt. „Unser Kleiner ist noch nicht im Verein“, sagt der junge Vater. „Aber ich denke, dass er früher oder später auch mitkommen wird.“

 

Quelle: Wümme Zeitung, 16. Mai 2012

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