Zukunft für die Dörfer
Dorfentwicklungsplan für die Ortschaften Heidberg, Sankt Jürgen, Seebergen und Worphausen ist fertig

Lilienthal.Wie sollen sich die Lilienthaler Ortsteile Heidberg, Sankt Jürgen, Seebergen und Worphausen weiter entwickeln? Was kann konkret getan werden, um das Leben auf dem Lande zu verbessern und das typische Ortsbild zu erhalten? Mit diesen Fragen haben sich im vergangenen Jahr viele Menschen aus den Ortschaften beschäftigt und mit Unterstützung der Bremer Planungsfirma Sweco Ideen geschmiedet. Herausgekommen ist ein 270 Seiten starker Dorfentwicklungsplan für die „4Dörferregion zwischen Hamme und Wümme“. Er ist die Grundlage dafür, dass einzelne Maßnahmen ab 2020 finanziell aus dem Dorfentwicklungsprogramnm des Landes gefördert werden könnten. Eines steht für die Beteiligten schon jetzt fest: Der Aufwand hat sich in jedem Fall gelohnt. „Die Dörfer sind enger zusammengerückt“, sagt Rita von Halle aus Heidberg.

Im großen Besprechungszimmer des Rathauses stellten Vertreter der Arbeits- und Lenkungsgruppen am Freitag vor, was sie sich im zurückliegenden Jahr bei diversen Treffen an Maßnahmen zur Dorfentwicklung ausgedacht haben. Auch Karen Meierdirks aus Oberende war gekommen. Ihr Beispiel machte deutlich, dass das Dorferneuerungsprogramm nicht nur für Kommunen und Vereine gestrickt ist, sondern sich auch private Hausbesitzer einklinken können. Familie Meierdirks beabsichtigt nämlich, eine alte Scheune aus dem 18. Jahrhundert wieder aufzubauen, die vor längerer Zeit zusammengebrochen war. Dass das Gebäude ortsbildprägend sein könnte, sei der Familie erst richtig klar geworden, als es nach dem Zusammenbruch viele Anrufe gab, die mit dem Appell schlossen, das alte Fachwerkgebäude doch bitte wieder instand zu setzen. Das soll jetzt mithilfe des Dorferneuerungsprogramms geschehen. Geplant ist, dort eine kleine Fahrradwerkstatt für Ausflügler einzurichten, die mit einer Panne liegen geblieben sind. Auch Ferienwohnungen könnte sich die Familie vorstellen.

Soziale Mittelpunkte schaffen

Ansonsten betreffen die Vorschläge bisher fast durchweg öffentliche Flächen: So schlägt die Heidberger Arbeitsgruppe vor, dass das Dorfgemeinschaftshaus auf Vordermann gebracht und das Außengelände umgestaltet werden soll, sodass dort ein Treffpunkt für Jung und Alt entsteht. Auch der Wiesendamm, die beliebte Fahrradstrecke zwischen Lilienthal und Grasberg, hat aus Sicht der Heidberger noch Verbesserungspotenzial: Nicht nur, dass der Weg an einigen Stellen überholt werden müsste, auch Bänke könnten dort aufgestellt oder eine Streuobstwiese oder Blühstreifen angelegt werden, berichteten Rita von Halle und ihre Mitstreiterin Marina Hasak.

Einen sozialen Mittelpunkt, einen Treffpunkt für Jung und Alt, wünschen sich auch die Menschen in Frankenburg. „Seit die Höge abgebrannt ist, fehlt ein solches Zentrum im Ort“, berichtete Stefan Traub, der sich seit Jahren für sein Dorf engagiert. Neue Räumlichkeiten müssten her, wo sich die Menschen treffen könnten, wo es Konzerte gibt, Senioren gemeinsam Kaffee trinken oder auch Ärzte Sprechstunden anbieten könnten. Die frühere Grundschule, in der seit der Schließung eine Kindertagesstätte untergebracht ist, kommt dafür nicht mehr infrage. „Es braucht einen Alternativstandort. Und es gibt auch welche“, sagte Traub. Zu den Vorschlägen der Sankt Jürgener zählt auch, dass die Höge und das künftige Zentrum über einen neuen Weg miteinander verbunden wird, auch an die Einrichtung eines Rastplatzes im Dreieck Auf der Frankenburg/Ecke Heinrich-Schmidt-Barrien-Weg ist gedacht. Das Ganze soll eingebettet werden in einen neuen „Erlebnispfad“, der die vier Dörfer miteinander verbindet und die Region auch für Touristen attraktiver machen soll.

Pläne gibt es ferner für das alte Küsterschulhaus, das der Bürgerverein Kirchort Sankt Jürgen von der Kirche kaufen könnte, um dort unter anderem das Archiv des 1996 verstorbenen Schriftstellers Heinrich Schmidt-Barrien unterzubringen, die Räume für Veranstaltungen zu nutzen oder dort Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste zu schaffen. Ihr Dorfgemeinschaftshaus haben die Seeberger ebenfalls fest im Blick, wenn sie an die weitere Dorfentwicklung denken: Heiko Jagow berichtete, dass der Brünings Hof dringend saniert werden müsse und das Stallgebäude zu einem Treffpunkt umgebaut werden könnte. Eine Idee ist auch, den heutigen Parkplatz zu einem Festplatz umzugestalten, hinter der Turnhalle könnten nach den Vorschlägen der Seeberger eine Streuobstwiese und ein Mehrgenerationenspielplatz mit Möglichkeiten zum Bolzen oder Boulespielen angelegt werden. „Das Dorfleben ist jetzt schon da. Es darf nur nicht zerfallen wie der Brünings Hof“, sagte Jagow.

Die dörflichen Strukturen verbessern wollen auch die Menschen in Worphausen, wie Pascal Holz verdeutlichte: Ein Ortszentrum soll entstehen, das im langgezogenen Worphausen bisher fehlt. Ausgeguckt hat sich die Arbeitsgruppe den Bereich Lilienhof und Niels-Stensen-Haus. Dort will der Förderverein Leben und Arbeiten einen neuen Gebäudekomplex errichten, in dem zum Beispiel verschiedene Praxen untergebracht werden. Einbezogen in die Planungen sind auch das Feuerwehrgebäude und das Dorfgemeinschaftshaus. Zudem sollen neue Wege her, die das Niels-Stensen-Haus-Areal und den Lilienhof miteinander verbinden.

Bürgermeister Kristian Tangermann war voll des Lobes für die Arbeit, die in den Dörfern geleistet worden ist. Er skizzierte auch das weitere Verfahren: Am 21. März soll der Dorfentwicklungsplan vom Gemeinderat beschlossen werden.

Wenn er vom Amt für regionale Landesentwicklung genehmigt wird, soll es im zweiten oder dritten Quartal eine Bürgerversammlung geben. Im vierten Quartal ist dann der Rat noch einmal gefragt, wenn es im Rahmen der Haushaltsberatungen darum geht, ob und in welcher Höhe sich die Gemeinde an der vorgeschriebenen Co-Finanzierung einzelner Projekte beteiligen will. Nach ersten groben Schätzungen haben die vorgeschlagenen Maßnahmen ein Gesamtvolumen von rund sieben Millionen Euro. Der Zeitraum, in dem die Umsetzung erfolgen kann, liegt zwischen fünf und acht Jahren.

Der Dorfentwicklungsplan liegt ab Dienstag, 15. Januar, einen Monat lang im Rathaus öffentlich aus und kann auch auf der Internetseite der Gemeinde eingesehen werden. Anmerkungen und Anregungen sind willkommen.

Quelle: Wümme-Zeitung, 12. Januar 2019

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