Modernisierung nur über Kredite
Lilienthal setzt Maßnahmen aus dem Dorfentwicklungsplan um und unternimmt dabei einen finanziellen Spagat

Lilienthal. Schmuck sieht sie wieder aus, die Fassade des Dorfgemeinschaftshauses Seebergen. Fach für Fach zwischen den alten Eichenbalken wurde neu ausgemauert, neue Fenster und Türen hat es für den Brünings Hof auch gegeben und drinnen sorgt jetzt eine moderne sparsame Heizungsanlage für wohlige Temperaturen. Möglich geworden ist dies durch den Dorfentwicklungsplan für die "4-Dörferregion zwischen Hamme und Wümme". Bis 2025 läuft die damit verbundene finanzielle Förderung, die die Gemeinde nutzt, um öffentliche Gebäude und Wege auf Vordermann zu bringen oder Neues zu schaffen.


Das erste Jahr ist vorbei. Bürgermeister Kristian Tangermann hat für die Zwischenbilanz einen Zettel zum Ortstermin in Seebergen mitgebracht, auf dem aufgelistet ist, was seit der Genehmigung des Dorfentwicklungsplans durch das Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg schon passiert ist und wie es im nächsten Jahr weitergehen soll. Er spricht über die öffentlichen Projekte, die die Gemeinde angeschoben hat. Außen vor bleiben die Baumaßnahmen von Privatleuten, die ebenfalls im Rahmen des Dorfentwicklungsplans mit Geldern der Europäischen Union bezuschusst werden können.
Willkommene Effekte

Es ist ein finanzieller Spagat, den die Gemeinde da unternimmt: Angesichts leerer Kassen und eines riesigen Schuldenbergs ist die Gemeinde seit Jahren gehalten, freiwillige Leistungen und Investitionen auf ein Minimum zu beschränken. Auf der einen Seite winken satte Zuschüsse von bis zu 63 Prozent der Kosten, auf der anderen Seite ist klar, dass die Gemeinde den jeweils fälligen Eigenanteil nur über neue Kredite finanzieren kann. "Der Gemeinderat hat den Dorfentwicklungsplan im März 2019 in dem Bewusstsein beschlossen, dass dafür Geld gebraucht wird", sagt Tangermann.

Beim Brünings Hof ist die Kreditaufnahme bei den Rechnungsprüfern des Landkreises durchgegangen. Die Gemeinde hatte argumentiert, dass die Baumaßnahmen zur Vermögenssteigerung der Kommune beitragen und sich durch den Einbau der neuen Heizung und der Fassadensanierung Energiekosten deutlich reduzieren werden, so dass die Investition zu rechtfertigen ist. Dass am Ende auch eine schönere Dorfoptik herausspringe, sei ein willkommener Effekt, so Tangermann. Alles in allem sind in Seebergen 38 490 Euro investiert worden, an der Gemeinde bleiben 17 358 Euro hängen.

In dieser Form geht es auch bei den anderen Projekten weiter, die in diesem Jahr abgeschlossen worden sind. Am Dorfgemeinschaftshaus Heidberg ist die desolate Zaunanlage ausgetauscht und ein neues Spielgerät für Kinder aufgestellt worden. Das soll die Aufenthaltsqualität erhöhen, insgesamt soll das Ortsbild verbessert werden. Kostenpunkt: 21 560 Euro, die Gemeinde trägt davon einen  Eigenanteil von 7977 Euro. Fördergeld  ist auch für die Befestigung der öffentlichen Parkplätze vor dem Kindergarten in Seebergen bewilligt worden, unterm Strich wurden 46 967 Euro ausgegeben, der Eigenanteil der Gemeinde beträgt 17 377 Euro.

Losgehen soll es bald in Worphausen, wo das Dorfgemeinschaftshaus erweitert, die bestehende Gebäudesubstanz aufgewertet und zudem der Parkplatz und die Zuwegung neu gestaltet werden sollen. Laut Gemeinde liegt die Baugenehmigung dafür vor. Die Ausschreibungen für einzelne Gewerke sind abgeschlossen, bei anderen läuft das Verfahren noch. Im Oktober wurde mit Rodungsarbeiten begonnen, aktuell wird die Baustellenzufahrt hergerichtet, um dann mit den Rohbauarbeiten beginnen zu können. Das laufende Vorhaben ist der finanziell dickste Brocken, den die Gemeinde stemmen will: Mit 737 900 Euro schlägt die Investition zu Buche, für Lilienthal springt laut Kalkulation ein Eigenanteil von 273 023 Euro heraus. Bürgermeister Tangermann hebt die Synergieeffekte hervor, die sich durch das Bauvorhaben dadurch ergeben, dass gleich nebenan auch das Feuerwehrhaus liegt, dem die neue Zufahrt zugute kommt. Eine ähnliche Situation sei in Heidberg vorzufinden.
Weitere Projekte in Planung

Auch für zwei weitere Projekte sind zum Stichtag 15. Oktober Förderanträge beim Amt für regionale Landesentwicklung in der Geschäftsstelle Bremerhaven gestellt worden: Die Erneuerung der Zuwegung zur Höge steht auf dem Plan (Kostenschätzung 796 611 Euro) und auch der geschätzt 212 000 Euro teure Fahrbahnteiler an der Heidberger Straße hinter der Wörpebrücke soll angegangen werden. Abzusehen ist schon jetzt, dass die geplante Befestigung des Wiesendamms als wichtige Verbindung zwischen Lilienthal und Grasberg im nächsten Jahr mit Blick auf die Haushaltslage nicht verwirklicht werden kann. Dort geht die Gemeindeverwaltung von Gesamtkosten in Höhe von 740 000 Euro aus, zu denen die Gemeinde ebenfalls einen Teil beitragen müsste. Einen Haushaltsplan für 2021 gibt es noch nicht, an diesem Montag soll der Entwurf im Finanzausschuss vorgestellt werden.

Quelle: Wümme-Zeitung, 16.11.2020

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