Behörde zweifelt an Aussagekraft der Verkehrsuntersuchung zur Lüninghauser Straße

Lilienthal. Gunter Ruwenstroth ist ein erfahrener Verkehrsplaner. Seit 25 Jahren messen der Ingenieur und seine Mitarbeiter Verkehrsströme und schreiben Gutachten. „Solche Untersuchungen machen wir ungefähr fünf bis sechs Mal im Jahr“, sagt er der Redaktion. An die 300 dürften in den 25 Jahren zusammenkommen sein. Im Auftrag der Gemeinde Lilienthal hat Ruwenstroth im Frühjahr die Verkehrsbelastung der Lüninghauser Straße gemessen und analysiert. Fazit: Der überörtliche Verkehr überwiegt. Danach wäre die Gemeindestraße zur Kreisstraße hochzustufen. Der Landkreis sieht das anders. Er zweifelt an der Aussagekraft von Ruwenstroths Untersuchung.

Vor allem die Sozialdemokraten im Lilienthaler Gemeinderat dringen auf die Hochstufung der Straße, die von Worphausen nach Frankenburg führt. Die Fakten sprächen dafür, betonen sie. „Wie die Lüninghauser Straße einzustufen ist, haben die Verkehrsteilnehmer längst entschieden. Es sind überwiegend Transitverkehre“, sagt Rolf Nordmann (wir berichteten).

Der Jurist beruft sich auf das niedersächsische Straßengesetz. Kreisstraßen sind danach „Straßen, die überwiegend dem Verkehr zwischen benachbarten Landkreisen und kreisfreien Städten, dem überörtlichen Verkehr innerhalb eines Landkreises oder dem unentbehrlichen Anschluss von Gemeinden oder räumlich getrennten Ortsteilen an überörtliche Verkehrswege dienen.“ Gemeindestraßen definiert das Gesetz als Straßen, „die überwiegend dem Verkehr innerhalb einer Gemeinde oder zwischen benachbarten Gemeinden dienen". Nordmann zitiert auch den Paragrafen 7: „Entspricht die Einstufung einer Straße nicht mehr ihrer Verkehrsbedeutung, so ist sie in die entsprechende Straßengruppe umzustufen.“

Im Gesetz steht auch, dass „der für den Straßenbau zuständige Minister“ entscheidet, wenn sich Kommunen nicht auf eine Umstufung einigen. Darauf werde es der Landkreis nicht ankommen lassen, glaubt Nordmann. Die Fakten seien eindeutig. Das sieht der Landkreis anders. Eines ist den Politikern und Verwaltungsleuten auf der Kreisebene so klar wie denen auf der Gemeindeebene: Die Unterhaltung der Lüninghauser Straße ist teuer. Gerade hat die Gemeinde sie für 450?000 Euro ausbessern und zum Teil sanieren lassen. Doch die reparierten Fahrbahnstreifen halten nur bis zu zehn Jahre. Eine gründliche Sanierung der gesamten Strecke würde weit mehr als eine Million Euro kosten. Die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung, die Ruwenstroth im Auftrag der Gemeinde vorgenommen hat, sprechen eine  klare Sprache. Er hat nicht nur die Lüninghauser Straße in seine Verkehrszählungen im Januar und April einbezogen, sondern auch die nahe Worpheimer Straße, die Worphauser Landstraße (L 153), die Wörpedorfer Straße (L 133) und die Moorender Straße, eine Kreisstraße (wir berichteten). An diversen Messpunkten haben die Mitarbeiter alle Fahrzeuge gezählt und die Kennzeichen notiert.

Danach wird die Lüninghauser Straße täglich von 3230 Fahrzeugen genutzt. Dabei unterscheidet sich die Nutzerstruktur der Straße kaum vom regionalen Verkehr auf der Landesstraße. Der Verkehr von außerhalb des Landkreises sei mit 25,2 Prozent sogar höher als der auf der L 153 mit 22,4 Prozent, erklärte Ruwenstroth im Lilienthaler Rat (wir berichteten). Verkehrsteilnehmer aus Bremen nutzten die Lüninghauser Straße in hohem Maße, sie machten knapp zwölf Prozent des Gesamtverkehrs aus. Der Anteil des Ortsverkehrs liege bei 37,7 Prozent, der ortsfremde Verkehr komme auf 62,3 Prozent.  Der Landkreis vermisst eine Befragung aller Verkehrsteilnehmer. Ruwenstroths Methode gebe „keine ausreichende Antwort auf die Fragestellung“, betont die Landkreis-Sprecherin Jana Lindemann. Eine Befragung sei nur mit Hilfe der Polizei möglich, weil nur die Polizei die Autofahrer anhalten dürfe. Eben davon habe er der Gemeinde abgeraten, sagt Ruwenstroth der Redaktion.  Bei einer Befragung müsse die Polizei die Autos morgens und nachmittags stoppen. Wenn man das vorher ankündige, wählten ortskundige Autofahrer gleich eine andere Route, um Staus zu meiden. Doch auch bei nicht angekündigten Befragungen wendeten einige Autofahrer, um den Zählpunkt auf anderen Wegen zu umfahren. „Ortsfremde fahren stur auf die Polizei zu, Ortskundige wenden sofort und fahren in Richtung Falkenberger Kreuz“, sagt Ruwenstroth. Viele Berufspendler, die morgens durch die Befragung Zeit verloren hätten, wählten bei der Heimfahrt eine andere Route. Das schwäche die Aussagekraft der  Ergebnisse. „Bei dieser Methode muss man einen systematischen Fehler erwarten und herausrechnen“, erklärt der Verkehrsgutachter der Redaktion. Darum habe er der Gemeinde zu einer Verkehrszählung mit Kennzeichenerfassung geraten, sagt Gunter Ruwenstroth. „Das ist ein durchaus anerkanntes Verfahren.“

Quelle: Wümme-Zeitung, 27. Dezember 2016

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