Sieben Jahre nach Zwangsabriss des Traditionslokals sind Wohnungen, Bungalows und Doppelhäuser geplant

Das alte Schild ist das Einzige, was vom Traditionslokal übrig geblieben ist. 1999 ging der Landgasthof in Flammen auf.Lilienthal. Nur das Schild steht noch, zwischen dunklen Holzbalken unter verwitterten Dachpfannen, deren rote Farbe einem schmutzigen Graubraun gewichen ist. "Landhotel Restaurant Dreyers Reeg" ist  da zu lesen. Das war einmal. Dreyers Reeg ist abgebrannt, 1999 schon. Zehn Jahre später verfügte der Landkreis den Zwangsabriss des Traditionslokals gegen den verzweifelten Widerstand des Eigentümers, der sich an die Hoffnung auf einen Wiederaufbau klammerte. Mit dem Bau eines Mehrfamilienhauses soll ein neues Kapitel beginnen. Die Baugenehmigung ist erteilt.

"Wir haben den Alleinauftrag, das Grundstück zu bebauen und zu vermarkten", sagt Patricia Bayer, Projektleiterin bei der Garant Bau GmbH in Bad Zwischenahn. Im vorderen Bereich ist ein Mehrfamilienhaus mit barrierefreien seniorengerechten Wohnungen geplant. Sechs bis acht Eigentumswohnungen sollen es werden, mit Wohnflächen von 60 bis 80 Quadratmetern. "Wir verkaufen ab sofort", sagt Patricia Bayer. "Wir bauen erst, wenn die Leute gekauft haben." Es könnte dann sofort losgehen, betont Bayer. Die Baugenehmigung ist erteilt, das bestätigt der Landkreis.

Hinter dem Mehrfamilienhaus sollen acht Doppelhaushälften mit je 120 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. Möglich seien auch Bungalows mit mehr Wohnfläche, erklärt Patricia Bayer. Insgesamt umfasst das Gelände nach ihren Angaben rund  3500 Quadratmeter. Die Pläne der Garant-Haus Bau GmbH gehen weiter. "Links daneben ist eine freie Fläche", sagt Patricia Bayer. Da wäre Platz für weitere Bungalows oder Doppelhäuser.

Ein Bebauungsplan existiert für die Fläche an der Worphauser Landstraße 54 nicht, wie Stephen Riemenschneider, Fachbereichsleiter für Baudienste im Rathaus, erklärt. Ein Plan sei gar nicht nötig, sagt er, die Bebauung sei Teil der Innenentwicklung. Jana Lindemann, Sprecherin des Landkreises, bestätigt das. Für das Grundstück in Worphausen hat die Kreisbehörde nach Lindemanns Worten neben der Baugenehmigung fürs Mehrfamilienhaus zwei positive Bauvorbescheide erteilt. Drei Einfamilienhäuser und drei Doppelhäuser seien auf dem Gelände zulässig. "Eine andere Art der Bebauung ist ebenfalls vorstellbar." Für den Kreis ist die lange Vorgeschichte abgehakt, für den früheren Eigentümer des Traditionslokals nicht. Friedrich-Karl Dreyer fühlt sich von der Kreisbehörde ausgebootet und droht mit Strafanzeigen gegen den früheren Landrat und den ehemaligen Baudezernenten. Er sei "rechtlich äußerst fragwürdig behandelt worden", sagt Dreyer der Redaktion, man habe ihn über das Baurecht ausmanövriert.

Die Vorwürfe hat der frühere Landrat Jörg Mielke schon im Jahr 2012 entschieden zurückgewiesen (wir berichteten). Zehn Jahre nach dem Brand habe der Kreis die Ruine im öffentlichen Interesse abreißen lassen. Der Landkreis habe Dreyer Brücken gebaut und Unterstützung für die Nutzung der restlichen Appartements angeboten; sie hätten nach Kreisangaben als Wohnungen oder Fremdenzimmer dienen können.

Dreyer sei Zeit eingeräumt worden, baurechtlich eine Nachnutzung zu beantragen, betonte Mielke. Doch der habe die Zeit nutzlos verstreichen lassen. Schließlich habe der Landkreis handeln müssen, der Zustand des Grundstücks sei nicht länger zu dulden gewesen. In Worphausen waren die rußigen Trümmer des Fachwerkhauses Stein des Anstoßes, Alteingesessene schimpften über den "Schandfleck".

Bei Friedrich-Karl Dreyer sitzt der Frust tief. Im Mai 1999 ging das Fachwerkhaus in Flammen auf. Seit 1762 war es im Familienbesitz.  In Dreyers Reeg wurden Hochzeiten gefeiert, runde Geburtstage, Jubiläen. Das Ausflugslokal mit Kegelbahn und Tanzfläche war beliebt. Doch schon in den 1990er-Jahren gingen die Geschäfte schlecht, Dreyer kämpfte gegen die drohende Insolvenz (wir berichteten). Dem Mann ging es um den Wiederaufbau des Findorffhauses, dessen Restwert Gutachter nach dem Brand auf gut 100?000 Euro taxierten. Verzweifelte Ansätze zum Wiederaufbau stoppte die Behörden: keine Baugenehmigung.  2007 schickte der hoch verschuldete Dreyer einen Hilferuf an den damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff mit der Bitte um eine Landesbürgschaft – vergebens.

Zwangsabriss und Zwangsversteigerung – Dreyer hat alles verloren. Er sieht sich als Opfer. Das Gebäude sei erst nach Jahren intensiver Auseinandersetzungen abgerissen worden, betont der Kreis. Sämtliche Vorgänge um die Brandruine seien "in verschiedenen Instanzen gerichtlich überprüft" worden. Jedesmal sei die Auffassung des Landkreises bestätigt worden. Dreyer widerspricht. Ihm habe nach dem Brand und der Insolvenz das Geld gefehlt, sagt er der Redaktion. Daher sei er über die Ebene des Verwaltungsgerichts nicht hinausgekommen.

Quelle: Wümme-Zeitung, 22. November 2016

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