Sie haben das Vertrauen in die Lilienthaler Politiker verloren: Die Vertreter der Arbeitskreise für Dorfentwicklung in Seebergen und Heidberg, Worphausen und St. Jürgen verlassen die Demografiekommission der Gemeinde. Die Bürger wollen das als Misstrauensvotum verstanden wissen. „Das wichtigste Kapital für eine funktionierende Zusammenarbeit – das Vertrauen darin, dass unsere Anliegen ernsthaft behandelt werden – ist leider verloren gegangen“, erklärt der Sprecher der Seeberger, Martin Heinlein, in einer Presseerklärung.

Die jahrelange Debatte über Schulschließungen hat Bürger in Seebergen, St. Jürgen, Heidberg und Worphausen animiert, in Arbeitskreisen über Projekte zur Belebung ihrer Dörfer zu diskutieren. Erst vor einem Jahr hat der Rat beschlossen, die Demografiekommission um je zwei Vertreter aus den Ortsteilen zu erweitern. Seitdem dürfen die Bürger in der Kommission mitreden und abstimmen. Allerdings: Beschließen kann das Gremium nichts. Es kann nur Empfehlungen aussprechen.

Stein des Anstoßes ist die Teilnahme am Dorferneuerungsprogramm. Davon versprechen sich die Dörfler viel. Die St. Jürgener streben einen Dorftreff mit Laden, Veranstaltungsräumen und Dienstleistungen wie Post und Lottoannahme an, möglichst in der Grundschule Frankenburg, die im August geschlossen wird. Doch da könnte auch ein Kindergarten mit Krippe eingerichtet werden. Der Gemeinderat hat die Verwaltung beauftragt, das zu prüfen.

Fragezeichen hinter Dorferneuerung

In der Demografiekommission stießen die Bürger mit ihrem Wunsch nach Dorferneuerung auf offene Ohren. Einstimmig votierte die Kommission, in der Politiker aller im Rat vertretenen Fraktionen sitzen, dafür. Sie empfahl dem Rat und seinen Ausschüssen, im nächsten Jahr 6000 Euro einzuplanen, um den Förderantrag mit Hilfe eines Fachbüros zu formulieren. Im Jahr 2017 sollten 50 000 Euro für die detaillierte Planung bereitgestellt werden. Im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss gab’s Bedenken. Die Verwaltung erinnerte an den Grundsatzbeschluss des Rates von 2012, angesichts der prekären Finanzlage keine neuen Projekte in Angriff zu nehmen. Einigen Politikern wie dem Grünen Jörg Flömer waren die Ideenskizzen der Arbeitskreise zu vage. Das sagte er auch im Planungsausschuss: Bevor Haushaltsmittel eingeplant würden, müsse intensiv im Fachausschuss beraten werden – öffentlich, nicht in geheimen Sitzungen.

Bei den Aktiven in den Dörfern ist die Enttäuschung groß: Erst ein einstimmiges Votum mit dem politischen Signal der Unterstützung und dann nur noch Fragezeichen hinter dem Projekt Dorferneuerung. Aus Frust beschlossen die Arbeitskreisvertreter am Montag einstimmig ihren Rückzug aus der Kommission. Für Heinlein und seine Mitstreiter „sieht das nach gezielter Verschleppung aus und nicht nach konstruktiver Zusammenarbeit“.

Bürgermeister Willy Hollatz überraschte der Rückzug der Dörfler ebenso wie den Grünen Jörg Flömer. „Es wäre fairer gewesen, Politik und Verwaltung zeitgleich zu informieren und nicht nur mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit zu gehen“, kritisierte Hollatz. Von einer Verschleppung könne keine Rede sein. „Ich hab’ nur gesagt: Macht ’nen konkreten Antrag, damit wir im Planungsausschuss darüber reden können“, sagt Flömer. Die 6000 Euro „einfach so durchzuwinken“, sei nicht möglich. Das Projekt koste „unwahrscheinlich viel Geld“, sagte Flömer. „Es muss machbar sein und durchkalkuliert werden.“ Sonst stehe am Ende womöglich ein teurer Dorftreff, „wo keiner hingeht“. Flömers Fazit: „Es muss Hand und Fuß haben. Es wäre unredlich, jetzt 6000 Euro in den Haushalt einzustellen und später zu sagen: Wir machen es doch nicht.“

Quelle: Wümme-Zeitung, 22. November 2015

Diese Internetseite verwendet an mehreren Stellen sogenannte Cookies. Sie dienen dazu, unser Angebot nutzerfreundlicher, effektiver und sicherer zu machen. Die meisten der von uns verwendeten Cookies sind sogenannte „Session-Cookies“. Sie werden nach Ende Ihres Besuchs automatisch gelöscht. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie Sie sie löschen können erfahren Sie in unseren Datenschutzerklärungen.

  Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite.
EU Cookie Directive Module Information