Polizei: Solche Taten sind in Lilienthal sehr selten / Ermittler erhoffen Hinweise auf maskierte Männer

Dass ein Mann vor seinem Haus von Unbekannten überfallen, bedroht und niedergeschlagen wird, hat es in Lilienthal noch nicht gegeben. Der brutale Raubüberfall vom Freitagabend hat in Teilen der Bevölkerung für Angst und Empörung gesorgt. Manche Bürger treibt die Furcht um, dass ihnen Ähnliches passieren könnte. Doch nach den Erkenntnissen der Polizeiinspektion Verden / Osterholz handelt es sich um einen Einzelfall.

Wie berichtet, bedrohten zwei Räuber einen 47-Jährigen am frühen Abend mit einem Messer und einer Pistole. Einer der beiden schlug den Hausbesitzer nieder. Die Täter nahmen das Geld aus seinem Portemonnaie und besprühten das am Boden liegende Opfer mit Reizgas. Dann flüchteten sie unerkannt.

Hergen Thoms, der im benachbarten Ortsteil Frankenburg wohnt, regt das auf. „Das geht gar nicht, was hier passiert. Wenn ich nicht mehr entspannt vor meine Haustür treten kann, hört der Spaß auf“, schimpft der 54-Jährige. Nachdem er die Zeitungsnotiz vom Überfall gelesen habe, sei er abends mit dem Auto in den Carport gefahren und habe sich dann erstmal draußen umgeguckt, bevor er seine Tasche aus dem Wagen geholt habe. Seine Frau habe „echt Angst“ und traue sich allein nicht mehr aus dem Haus. Die Polizei tue zu wenig, um die Bürger zu schützen, Staat und Gesellschaft ließen „viel zu viel Kriminalität zu. Das geht einfach so durch.“

Helge Cassens, Sprecher der Polizeiinspektion Verden / Osterholz, berichtet von intensiven Ermittlungen wegen schweren Raubes. Doch sei die Polizei auf Zeugenhinweise angewiesen, um die Täter zu überführen. „Nach so einer Tat gehen wir in die Nachbarschaft und putzen Klinken. Wir klingeln an den Türen und fragen: ,War hier einer, der im Dorf noch nie gesehen wurde?’ Aber ohne Zeugen sind wir in vielen Fällen ganz schwach aufgestellt.“ Wachsame Nachbarn seien ungemein wichtig für die Polizeiarbeit.

Inzwischen gibt es eine Täterbeschreibung. Die beiden Männer sollen größer als 1,85 Meter gewesen sein, beide von athletischer, kräftiger Statur. Einer von ihnen soll eine Lederjacke getragen haben. Nach Angaben der Polizei waren beide maskiert. Anwohner in der Nähe haben nach den Worten von Polizeisprecher Cassens „lautes Gerede“ wahrgenommen, was auf einen Streit zwischen Opfer und Tätern hindeuten könnte. „Das heißt aber nicht, dass sie sich gekannt haben.“

Geflüchtet sind die beiden Räuber nach den Erkenntnissen der Ermittler zunächst zu Fuß. Leider gebe es bisher keine Hinweise auf einen Fluchtwagen, bedauert Cassens. Die Kriminalpolizisten im Osterholzer Polizeikommissariat hoffen, dass sich noch Bürger melden, die am frühen Freitagabend Verdächtiges beobachtet haben. Die Polizeidienststelle in der Kreisstadt ist unter Telefon 0 47 91 / 30 70 zu erreichen.

„Große kriminelle Ernergie“

„Das ist schon eine schlimme Tat, auf jeden Fall“, sagt Helge Cassens. „Die Täter sind mit großer krimineller Energie vorgegangen. Aber solche Raubdelikte sind in Lilienthal sehr, sehr selten. Das ist schon ein Einzelfall.“ Der Blick in die Polizeistatistik der vergangenen Jahre zeigt, dass in Lilienthal im Jahr 2011 nur drei Raubdelikte registriert wurden. 2012 waren es zwei, im darauf folgenden Jahr vier. 2014 registrierte die Polizei drei Raubdelikte in Lilienthal, in diesem Jahr bisher sieben.

Also doch ein steiler Anstieg? Cassens winkt ab. In einem Fall sei eine Ladendiebin von einem Detektiv festgehalten worden, sie habe sich losgerissen und sei weggerannt. Statistisch sei das als Raub festgehalten worden. In einem weiteren Fall habe ein mit 2,39 Promille alkoholisierter Mann einem Bekannten 80 Euro geraubt, weil er gemeint habe, der andere schulde ihm das Geld.

Dazu kämen Beziehungstaten: Mal sei jemandem gewaltsam ein Paket entrissen worden, mal ein Handy. Ein Scherenschleifer habe für seine Dienste mehr Geld verlangt als vereinbart; weil er mit der Schere in der Hand vor der Frau gestanden habe, sei der Fall als räuberische Erpressung aktenkundig geworden.

In Grasberg gab es nach Cassens’ Angaben 2011 null Raubdelikte, in Worpswede eines. 2012 waren es sechs Fälle in Grasberg und drei in Worpswede, 2013 ein Raub in Grasberg und einer im Künstlerdorf. 2014 registrierte die Polizei ein Raubdelikt in Grasberg und zwei in Worpswede, in diesem Jahr null in Grasberg und einen Raub in Worpswede.

In Ritterhude schnellte die Zahl hingegen in die Höhe: von vier Raubüberfällen 2011 über sechs im folgenden Jahr auf elf im Jahr 2013. In Ritterhude habe die Polizei eine Tätergruppe ermittelt, die sich auf Spielhallenüberfälle spezialisiert habe, erklärt Cassens. „Irgendwann haben wir die Täter, dann geht das zurück.“ In Ritterhude wurden 2014 noch sechs Raubdelikte gezählt, in diesem Jahr sind es bisher vier.

Quelle: Wümme-Zeitung, 13. November 2015

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