Sanierung der Lüninghauser Straße

Die rot-grüne Mehrheit im Lilienthaler Rat hat die günstigere Variante zur Sanierung der Lüninghauser Straße durchgesetzt. Für die Anwohner-Initiative ist die geplante Maßnahme lediglich "Flickschusterei".

„Soll ich jetzt mal laut schreien?“, fragt Petra Thiel, als sie auf die Lüninghauser Straße angesprochen wird. Thiel, als Anwohnerin in der Initiative Lüninghauser Straße engagiert, schreit dann doch nicht. Obwohl sie alles andere als zufrieden ist mit dem endgültigen Beschluss zur Sanierung der Straße, die die Ortsteile Worphausen und Frankenburg verbindet.

Jahrelange Diskussionen

Jahrelang hatte die Politik diskutiert, seit Mittwochabend steht nun fest: Die stark beschädigte Lüninghauser Straße wird für 450 000 Euro saniert. Die rot-grüne Mehrheit hatte sich durchgesetzt. Es ist die Sparvariante, für die sich der Gemeinderat in einer Sondersitzung nun entschieden hatte.

Die 1,5 Millionen Euro teure Variante, die die CDU favorisierte, hatte bei der Abstimmung keine Chance. Darin enthalten gewesen wäre wie bei der Billiglösung ein etwa 500 bis 600 Meter langer Teilausbau der freien Strecke zwischen den Ortsteilen. Bei der restlichen Strecke wäre aber die Asphaltdecke abgefräst und eine neue Schicht aufgebracht worden. Dadurch sollte der Unterbau der Strecke gestützt werden. Diese Lösung hätte aber angeblich nur zehn Jahre lang gehalten. Genauso kurz also wie bei der Billigvariante. Bei der wird nun auf eine komplett neue Schicht auf der restlichen Strecke verzichtet. Es werden nur vereinzelte Streifen ausgebessert. Bei beiden Varianten wäre den Anwohnern eine Beitragspflicht erspart geblieben. Das war auch ein Grund, weshalb eine Komplettsanierung der Lüninghauser Straße für etwa 1,8 Millionen Euro früh ausgeschieden war. Diese Variante hätte eine Anwohnerbeteiligung nötig gemacht. Das wollten die Politiker nicht.

Wiederkehrendes Problem

Für Petra Thiel ist die Billigvariante trotzdem zu kurz gedacht. Sie nennt die geplanten Maßnahmen „bloß Flickschusterei“. Während nun an den kaputten Stellen etwas repariert wird, würde der Asphalt an noch heilen Stellen künftig sicher ebenfalls kaputt gehen. Das sei absehbar. „Und dann steht man wieder vor demselben Problem“, sagt Thiel. Sie glaubt, dass die Billigvariante der Gemeinde am Ende teurer zu stehen komme. Denn mit den 450 000 Euro sei es gewiss nicht getan. Sie sieht die Gefahr, dass die knappe halbe Million nun sogar überflüssigerweise ausgegeben wird.

Bedenken hat auch Anwohner Hans Mahnken. Aus Erfahrung weiß der ehemalige Bautechniker im öffentlichen Dienst, dass bei solchen Projekten oft knapp kalkuliert wird. Hauptsache, den Politikern gefällt’s. Doch dann würden die Kosten schließlich viel höher werden. Auch bei der Lüninghauser Straße rechnet er damit, dass es nicht bei den 450 000 Euro bleibt.

Mahnken ist dennoch froh, dass nun nach Jahren der Diskussion überhaupt mal etwas gemacht wird. Die aus seiner Sicht beste Lösung aber wurde bereits längst vertan. Am liebsten wäre es ihm gewesen, wenn die Straße – wie 2013 fast schon beschlossen – komplett saniert worden wäre. Zu einem Zeitpunkt, als von einer Anwohnerbeteiligung noch nicht die Rede gewesen sei. „Dann wäre alles mit einem Mal erledigt gewesen“, sagt er. Damals sollte die Verbindungsstraße samt Fuß- und Radweg saniert werden. Die Gemeinde hatte einen Zuschuss in Höhe von 1,7 Millionen Euro erwartet, sie selbst hätte 1,2 Millionen Euro beisteuern müssen. Der Ausbau war eigentlich schon beschlossene Sache, doch dem Rat war das Risiko eines Verkehrschaos’ wegen des parallel stattfindenden Baus der Linie 4 zu groß.

Petra Thiel findet, beim Thema Lüninghauser Straße gehe man grundsätzlich den falschen Weg. Egal, welche Sanierungsvariante es geworden wäre – keine hätte das Verkehrsaufkommen auf der Lüninghauser Straße wohl wieder reduziert. Aber genau das sei der Wunsch der Anwohner gewesen. Der Verkehr habe sich nur deshalb auf nun täglich etwa 3400 Autos und Lastwagen vergrößert, weil die Leute diese Strecke während des Bauarbeiten am Falkenberger Kreuz und an der Umgehungsstraße als Ausweichstrecke genutzt hätten. „Und nun, da dort alles fertig ist, haben sich die Leute daran gewöhnt, die Lüninghauser Straße zu nehmen“, sagt sie. Statt eines Ausbaus der Straße wäre es vielen Anwohnern lieber gewesen, den Anreiz für Autofahrer zu schmälern.

Verkehrsberuhigung

Immerhin sprachen sich die Ratsmitglieder am Mittwoch nun auch für einige verkehrsberuhigende Maßnahmen aus, gerade im Bereich der Grundschule. Kurzfristig sollen Baken aufgestellt werden.

Im nächsten Schritt könnte eine Verkehrsinsel als Fahrbahnteiler hinzukommen. Die würde 62 000 Euro kosten, 10 000 Euro würde der Landkreis beisteuern. Vor allem aber spekuliert man im Rat darauf – allen voran in der SPD, dass die im vergangenen Jahr in den Gremien wohl meistdiskutierte Straße künftig vom Kreis übernommen wird. Mit einer ausführlichen Verkehrszählung soll deshalb untersucht werden, wie hoch der außerörtliche Verkehr mittlerweile ist. 3000 Euro werden dafür extra bereit gestellt. Kommen mehr als 50 Prozent des Verkehrsteilnehmer von außerorts, dann sei das ein Grund, die Verantwortung für die Straße an den Kreis abzugeben, argumentiert die SPD.

„Das wird keine Kreisstraße werden“, glaubt dagegen Anwohner Hans Mahnken. Der Landkreis werde sich keine weitere Kreisstraße ans Bein binden wollen. Das sieht auch Petra Thiel so. Selbst wenn der außerörtliche Verkehr über der 50-Prozent-Grenze liegen sollte. Denn bei der Frage, ob eine Straße zur Kreisstraße werde, spiele auch ihr Charakter eine Rolle. Eine Kreisstraße habe etwa auch die Funktion einer Zubringerstraße etwa zu Landes- oder Bundesstraßen. „Das ist hier nicht der Fall. Die Lüninghauser Straße ist eine Dorfstraße geblieben“, sagt Thiel. Mit dem Unterschied eben, dass sie viel stärker befahren wird.

Hans Mahnken kann der ganzen Geschichte dennoch etwas Positives abgewinnen. Er sieht einen Vorteil darin, dass die Lüninghauser Straße trotz der nun beschlossenen Sanierung wohl weiterhin eine ziemlich poröse Angelegenheit bleiben wird. „Auf einer kaputten Straße“, sagt er, „fahren die Autos wenigstens nicht so schnell.“

Quelle: Wümme-Zeitung, 04. Dezember 2015

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