Gründungsfeier im Niels-Stensen-Haus mit visionären Konzepten

Lilienthal-Worphausen. Menschen treffen sich im Café, Werkstätten bieten ihre Erzeugnisse an und neue Gäste fragen sich verwundert: "Wo ist denn hier überhaupt das Heim?" So stellt sich Karsten Kahlert von der Stiftung Leben und Arbeiten als einer der Initiatoren die Zukunft des Niels-Stensen-Hauses vor.

 

Anlässlich der Gründungsfeier in der bisherigen Erwachsenenbildungs-Einrichtung entwarf der Sozialtherapeut zusammen mit seinen Mitstreitern vom Quelkhorner Parzival-Hof und dem Johannishag in Ostersode Zukunftsvisionen, die alles andere als unrealistisch sind. Wie in diesen beiden Projekten soll auch in Worphausen ein Ort entstehen, an dem Menschen mit Behinderungen wohnen, arbeiten und so frei bestimmt wie möglich leben. Schon die Terminologie in den Beiträgen lässt Rückschlüsse auf das anthroposophische Menschenbild und somit das zukünftige Erscheinungsbild des Hauses zu. Nicht "Behinderte", sondern "seelenpflegebedürftige" Menschen werden dort anzutreffen sein. Der Elternvertreter Dr. Frank Walle brachte es ein wenig launig auf den Punkt: "Hier entsteht kein Ort zur Haltung von Assistenten, sondern ein Lebensort für unsere Söhne und Töchter."Bei der Feier, zu der unter anderem die Ortsbürgermeister von Lilienthal, Grasberg und Worpswede sowie Kreis- und Landtagsabgeordnete erschienen und sehr wohlwollende Grußworte im Gepäck hatten, wurde deutlich, dass viele Befürchtungen, das Areal würde mit dem Rückzug des bisherigen Eigentümers verwaisen, haltlos sind. Kahlert, die Moderatorin der Veranstaltung Sunhild Kufferath und Helmut Pohlmann, Sprecher des Vorstandes der Stiftung, versprachen Lebendigkeit und zeigten sich über die herzliche Aufnahme erfreut.

Vertreter der Bremer Tobias-Schule, der Freien Christengemeinschaft, des Bundeselternverbands und des Eickedorfer Hofs in Grasberg überbrachten ebenfalls die besten Wünsche. Landtagsabgeordneter Axel Miesner, selbst Worphauser, versprach den neuen "Nachbarn" die Unterstützung von Politik und Verwaltung. Er sei froh, dass 41 Jahre nach Gründung des Hauses ein solch mutiger Neubeginn gewagt würde, sagte der CDU-Politiker. Der Wille zur Integration zukünftiger Bewohner sei vorhanden.

Neben der Lilienthaler Behindertenbeauftragten Karla Pfingsten zeigte sich auch Brigitta Rehage als Vertreterin der katholischen Erwachsenenbildung dem Ansinnen der neuen Hausherren positiv gesonnen. Ihre Einrichtung wird nämlich auch unter anthroposophischer Leitung weiter das Haus sowohl als Büro als auch für ihre Seminare nutzen können.

Eingerahmt wurden die zahlreichen Redebeiträge durch zwei musikalische Darbietungen des Streichquartetts der Bremer Philharmoniker. Besonders das Finale aus Anton Dvoráks "amerikanischem" Streichquartett in F-Dur konnte beeindrucken, nicht nur durch die perfekte Interpretation, sondern besonders dadurch, dass es so passend für die Kontinuität und den Neubeginn steht. So wie der Komponist die Sehnsucht nach seiner böhmischen Heimat mit den rhythmisch prägnanten Eindrücken in seinem New Yorker Exil verband, so sollen in Worphausen die Ideen Rudolf Steiners, das Vermächtnis Niels Stensens und die große Tradition des Hauses in eine lebensbejahende Zukunft hinein getragen werden.

Quelle: Wümme Zeitung, 10. Dezember 2007 

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