Die Westerweder Schlosserei Behrendt baut Brüstung nach historischen Vorgaben für das Berliner Savoy Hotel

Lilienthal-Worphausen. Nicht einfach ein Gitter, nein, es ist schon ein imposantes Stück, das Jörg Behrendt und seine drei Mitarbeiter da geschmiedet haben. Über acht Meter ist es lang und mit reichlich Details ausgestattet. Allein 500 Blätter zieren die gusseiserne Brüstung, hinzu kommen diverse Blumen, Kugeln und Ornamente.

 

Auftraggeber für das besondere Stück ist das Berliner Savoy Hotel. Ein Nebengebäude an der Meineckestraße, unweit des Stammhauses und des Kurfürstendamms, wechselte unlängst den Besitzer. Der neue Hausherr, ein dänischer Investor, beschloss, das bisher ungenutzte Dachgeschoss auszubauen. Das Problem dabei: Das um 1900 fertig gestellte Haus steht unter Denkmalschutz, und die Auflagen sind streng. Die Optik der Fassade muss erhalten bleiben, und so wurde für die neu zu bauende Brüstung ein Betrieb gesucht, der in der Lage ist, exakt das Design und die Ausführung der an anderen Fenstern und Balkonen vorhandenen Gitter nachzuempfinden.

So kamen die Bauherren auf den Westerweder Fachbetrieb, der auf seiner Internetseite (www.behrendt-metallbau.de) Bilder von der Hamburger Spielbank präsentiert. Auch dort bauten Behrendt und sein Team fehlende Geländer und Gitter nach. Denn das historische Hotel Esplanade, in dem das Casino angesiedelt wurde, hatte einiges durchmachen müssen. Als es in den 60er Jahren zur Einkaufspassage umgebaut wurde, brach man ein zweigeschossiges Loch in die Fassade und führte eine Fußgängerbrücke hinein. Diese Bausünde galt es auszumerzen. Dank spezieller Anstriche konnte der Architekt, als er die Arbeit des Westerweder Schmiede- und Schlossermeisters abnahm, nicht mehr sicher sagen, wo historisches Geländer aufhörte und ergänzter Nachbau begann.

Behrendts Bauschlosserei hat sich nicht auf solche Aufträge spezialisiert, aber es ist unschwer zu erkennen, dass sie für den 65-Jährigen eine besonders reizvolle Herausforderung sind. Da macht es ihm wenig aus, dass kaum Zeit bleibt für sein Hobby: Er restauriert dänische Motorrad-Oldtimer der Marke Nimbus (jede Ähnlichkeit mit fliegenden Besen aus populären Fantasy-Romanen ist rein zufällig). Auch eine rare Bausatz-Maschine mit einem 5,7 Liter-Automotor, die stark an "Werner"-Comics erinnert, wartet noch auf den letzten Feinschliff.

Vorrang hat das zirka 500 Kilogramm schwere Hauptteil des Berliner Auftrags, das in Kürze verbaut werden kann. Mit rund 2500 Euro schlägt der laufende Meter zu Buche. Ein weiteres Treppengeländer ist bereits in Arbeit. Dabei wird es nicht bleiben, denn auch an vielen anderen Metallteilen in der Berliner Nobelherberge hat der Zahn der Zeit genagt. Möglicherweise hat es auch andere Ursachen, wenn hier und da einzelne Ornamentteile fehlen - aus Hotels verschwinden häufiger solche "Souvenire". Für Behrendt kein Problem. Er hat von allen verschiedenen Dekor-Elementen Originale bekommen und daraus Gussformen herstellen lassen. Für die speziellen Riffeln in den Blättern hat er sich extra eine eigene Walze gebaut - und die ist auch nach 500 Stück noch so gut in Schuss, dass interessanten Folgeaufträgen nichts im Wege steht.

Quelle: Wümme Zeitung, 15. November 2008 

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