Behindertenbeauftragte der Bundesregierung besucht das Niels-Stensen-Haus

Lilienthal-Worphausen. "Sie bewegen sich in ihrer Einrichtung sehr in die Zukunft gerichtet", zeigte sich Karin Evers-Meyer beeindruckt von dem Konzept, das die Stiftung Leben und Arbeiten im Niels-Stensen-Haus begonnen hat umzusetzen. Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen war auf Einladung des SPD-Politikers Joachim Stünker zu Gast in der Einrichtung in Worphausen, in der inzwischen 18 Bewohner leben.

 

"Behinderte gehören mitten in die Gesellschaft, Vielfalt ist normal", hob der Gast aus Berlin hervor. Doch habe Deutschland eine Sonderstellung, würden doch hier nur zirka 15 Prozent der behinderten Menschen integriert. In anderen Ländern seien das weit mehr. Für die Bewohner des Niels-Stensen-Hauses und für Mitarbeiter von außen stehen derzeit sieben unterschiedliche Werkstattbereiche zur Verfügung, erläuterte Norbert Stegemann die aktuellen Gegebenheiten. Der Heimleiter gab den Gästen zunächst einen kleinen Rückblick über die Geschichte des Hauses, das zunächst Zisterzienserkloster, dann lange Jahre Bildungseinrichtung der katholischen Kirche war.

Lebens- und Arbeitsgemeinschaft

Dietmar Winter, Geschäftsführer der Stiftung Leben und Arbeiten, erläuterte, dass das die Basis sei, wie schon in den beiden anderen Einrichtungen der Stiftung - Johannishag und Parzivalhof -, eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderung zu gestalten. Dabei sei das Ziel, dass die Anzahl der Bewohner auf 24 erweitert werde. Lüder Ehrig, Sprecher des Heimbeirates, stellte heraus, dass das Zusammenleben im Niels-Stensen-Haus toll sei. Jeder habe seine Aufgabe in der Gruppe: "Ich mache das Essen."

Zu den Arbeitsangeboten direkt auf dem Gelände kommen besondere Arbeitsstätten außerhalb, erläuterte Stegemann. So kümmert sich seit einer Weile eine Gruppe auf dem nahegelegenen Golfplatz um die Platzpflege.

Neben den Menschen, die in der Einrichtung ins betreute Wohnen begleitet werden, sind auch Personen mit Mehrfachschwerstbehinderungen integriert. Dafür wurden auf dem Gelände umfangreiche Umbauten geschaffen. So ist die ehemalige Kapelle jetzt der Saal, in dem sich alle zur Morgenrunde treffen, mit der der Tag beginnt. Außerdem finden hier auch Theateraufführungen statt. In der ehemaligen Aula ist jetzt in Anlehnung an die bremische Kaffeetradition eine Rösterei eingerichtet, wie Karsten Kahlert zu diesem ganz neuen Bereich Auskunft gab - und der Duft von Kaffee begrüßte die Gäste beim Eintreten in einer weiteren Werkstatt wird kreativ gewirkt. So werden hier farbige Tonperlen und bunte Ketten gefertigt oder auch Papier geschöpft und gestaltet. Daneben ist eine Tischlerei eingerichtet mit großem Maschinenraum. Im benachbarten Bankraum werden die zugeschnittenen Holzobjekte dann veredelt. So ölt Joschka zum Beispiel gerade die Frühstücksbrettchen ein. "Macht Ihnen das Spaß?", wendet sich Karin Evers-Meyer fragend an den jungen Mann, der ganz in sein Tun versunken ist und ein überzeugtes "Ja" zurück gibt. "Das merkt man, sie machen das sehr sorgfältig", freut sich auch die Behindertenbeauftragte. Nebenan zeigt Norbert Stegemann aktuelle Drechselarbeiten sowie weitere Objekte aus der Produktvielfalt, die hier unter Anleitung gefertigt werden. Weiter besuchte die Besuchergruppe auch noch die Backstube und die Wohngruppe.

Eine Zwischenstation des Rundganges führte wieder hinaus in den Garten. Hier hatten die Mitarbeiter schon alles vorbereitet, damit die beiden Gäste aus Berlin einen Apfelbaum pflanzen konnten. Einen ,Winter-Rambur’, eine alte Apfelsorte, hatte die Behindertenbeauftragte der Gemeinde, Karla Pfingsten, für diesen Anlass ausgesucht, und der Baum fand seinen Platz auf der angelegten Obstwiese, entlang der neuen Zufahrt zur Einrichtung. Mit vereinten Kräften packten Karin Evers-Meyer und Joachim Stünker an und gruben das Bäumchen ein.

Beide Politiker stellten sich anschließend noch in einer Podiumsdiskussion den Fragen der Vertreter der verschiedenen Behindertenhilfeeinrichtungen.

Quelle: Wümme Zeitung, 3. Juni 2009 

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