Lilienthal-Worphausen. Das Landhaus und Restaurant Dreyer – das war einmal: Am 19. Mai 1999 zerstörte ein Feuer den größten Teil des historischen Fachwerkgebäudes – seit 1762 war es im Besitz der Familie Dreyer. Geht es nach dem Landkreis, wird jetzt der übriggebliebene Rest, der offensichtlich nicht unter Denkmalschutz steht, dem Erdboden gleich gemacht: Er hat angeordnet, die ehemalige Gaststätte „Dreyers Reeg“ ab dem 22. September abzureißen.

 

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Nach einem Brand im Mai 1999 eine Ruine: Dreyers Reeg an der Worphauser Landstraße. Der Landkreis sieht nun keine andere Möglichkeit mehr, als das Gebäude abbrechen zu lassen.

„Nach vielen Jahren des Entgegenkommens gegenüber dem Grundstückseigentümer bleibt dem Landkreis in seiner Funktion als Untere Bauaufsichtsbehörde keine andere Möglichkeit“, heißt es von seiten des Landkreises. Und weiter: Zum Mittel des angeordneten Abrisses, der als Ersatzvornahme bezeichnet wird, „greift der Landkreis äußerst selten und nur nach sorgsamer Abwägung aller anderen Möglichkeiten und Perspektiven.“ Wenn ein Grundstückseigentümer seinen Pflichten zur Erhaltung und Pflege von Gebäuden oder eines Grundstücks nicht mehr nachkomme und entsprechende Forderungen nicht erfülle, bemühe sich die Kreisverwaltung in erster Linie in gemeinsamen Gesprächen darum, Perspektiven und Lösungen zu eröffnen.

Großzügige Zeiträume

Zur Umsetzung der Lösungsmaßnahmen räume der Landkreis auch unter Berücksichtigung persönlicher Voraussetzungen großzügige Zeiträume ein. „Nur, wenn wie im vorliegenden Fall Unterstützungsangebote des Landkreises ungenutzt verstreichen und der Zustand eines Grundstücks aus öffentlichem Interesse nicht länger geduldet werden kann, greift die Kreisverwaltung zur Ersatzvornahme als letztem Mittel“, so der Landkreis. „Mir ist die Entscheidung für diesen Schritt nicht leicht gefallen. Nach zehn Jahren, in denen sich die Kreisverwaltung jederzeit offen gegenüber neuen Bauplänen auf dem Gelände gezeigt hat, gab es leider keine andere Perspektive mehr für die Nachnutzung der zum Abbruch vorgesehenen Gebäudeteile“, sagt Landrat Dr. Jörg Mielke.

Grundstücksbesitzer Karl-Friedrich Dreyer, den wir telefonisch nicht für eine Stellungnahme erreichen konnten, wird das sicherlich anders sehen. Schon 2005 hatten wir in unserer Zeitung über sein Konzept von einem Mehrgenerationenhaus geschrieben. Dreyer schwebte vor, dass arbeitslose Jugendliche unter fachmännischer Anleitung das Gebäude aufbauen. Später solle es in dieser Einrichtung Ausbildungsplätze im gastronomischen Bereich geben, Arbeitsplätze für Jugendliche und Erwachsene, Räumlichkeiten für Senioren, ein Bistro sowie Ausstellungsflächen für Kunst und Kultur.

Dies zu realisieren, sei aber nur möglich, wenn die Kommune, der Landkreis über die ProArbeit und das Land dieses positiv begleiten und mit Fördermitteln unterstützen würden. Dreyer hätte das Grundstück zur Verfügung gestellt; ebenso hätte er die Möglichkeit gehabt, ein Fachwerkhaus zum Wiederaufbau zu bekommen.

Probleme bei der Finanzierung

Noch letzte Woche hatte Dreyer gegenüber unserer Zeitung von positiven Gesprächen berichtet, die er auf Vermittlung von Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler mit der Investitions- und Förderbank des Landes geführt hatte. In dem einen Antwortschreiben der Bank heißt es unter anderem: „Gern sind wir bereit, Sie bei der Umsetzung des Finanzierungsvorhabens zu begleiten und gemeinsam mit Ihnen den Finanzierungsprozess zu gestalten. In diesem Zusammenhang haben wir von Ihnen Unterlagen erhalten, mit denen wir uns auseinandergesetzt haben. Danach vertreten wir die Auffassung, dass Ihr vorgelegtes Konzept grundsätzlich Potenzial zur Umsetzung haben könnte.“

Die bisher von ihm eingereichten Unterlagen würden aber nicht ausreichen, um damit erfolgversprechend Finanzierungspartner gewinnen zu können. Genau daran, also Angaben zur Wettbewerbssituation oder eine Marketingsstrategie nachzuliefern, habe er gerade gearbeitet. Problem sei nur, dass ihm die Zeit weglaufe, weil er, das räumt er ein, mit dem Landkreis eine Vereinbarung getroffen habe.

Zeit ist abgelaufen

Genau auf die bezieht sich der Landkreis, ohne genau ins Detail zu gehen: Um für beide Seiten klare Verhältnisse zu schaffen, habe der Landkreis mit dem Eigentümer eine Vereinbarung getroffen, nach der diesem ausreichend Zeit eingeräumt worden sei, eine Nachnutzung baurechtlich zu beantragen oder die Reste der Brandruine selbst abbrechen zu lassen. Für den Fall, dass dies nicht geschehe, wurde die Durchführung der Ersatzvornahme durch den Landkreis festgelegt. „Bei der Umsetzung dieses Vertrages hat der Landkreis Entgegenkommen gezeigt, indem die Frist für den Abriss noch einmal verlängert wurde. Nun verlangt das öffentliche Interesse, dass wir handeln und den Abriss selbst veranlassen“, informiert der Landrat.

Genau damit sind auch die Unterstützungsangebote gemeint, die vom Landkreis gekommen sind. Dazu sagte auf Nachfrage unserer Zeitung Dezernent Richard Eckermann: „Das war die entscheidende Unterstützung von unserer Seite. Wir haben Herrn Dreyer immer wieder Zeit gegeben, um neue Projekte zu starten.“ Außerdem sei ihm in Aussicht gestellt worden, seine Vorhaben in Teilschritten realisieren zu können.

Quelle: Wümme Zeitung, 19. September 2009 

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