Skulptur zurück an ihrem Platz in Lilienthal

Lilienthal-Worphausen. Der Platz des Malers war plötzlich leer. 14 Jahre lang hatte er auf dem Parkplatz an der Landstraße vor seiner Staffelei gesessen, bei Wind und Wetter. Im Winter bekam er von mitfühlenden Bürgern einen Schal spendiert, im Sommer auch schon mal eine Schale mit Erdbeeren. Als der Maler verschwunden war, klingelte häufig das Telefon im Kulturamt der Gemeinde. 'Er ist im Urlaub, aber er kommt zurück', beruhigte Antke Bornemann die besorgten Anrufer.

 

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Die Bildhauerin Ingeborg Ahner-Siese begrüßt die neue Bronzeskulptur auf dem Parkplatz an der Landstraße. Augenzeugen sind Antke Bornemann, Bürgermeister Willy Hollatz und Volksbank-Vorstand Jan Mackenberg.

Jetzt ist der Maler tatsächlich zurück. Die von der Lilienthaler Bildhauerin Ingeborg Ahner-Siese geschaffene Skulptur erscheint nach einer rund einwöchigen Abwesenheit sogar in einem noch besseren Licht. Die Figur, die an der Landstraße zwischen Lilienthal und Worphausen auf die Kunst aufmerksam macht, wurde in einer Osnabrücker Werkstatt in Bronze gegossen. Als Modell für den Guss diente das Original in Stein, das 1995 auf dem Parkplatz an der Landstraße aufgestellt wurde.

Der 'Urlaub' des Malers war nötig geworden, weil der Stein mächtig angegriffen war. Wind und Wetter, Frost und Sonne hatten ihm zugesetzt, sagt Ingeborg Ahner-Siese. Denn das Original, das sie der Gemeinde vor fünf Jahren als Geschenk vermacht hatte, war nicht etwa aus massivem Stein, sondern bestand aus einer Betonhülle über einer Metallkonstruktion. Und weil sich bei dieser Technik immer Löcher, Lücken und kleine Risse auftun, in die Feuchtigkeit dringt, wurde jetzt eine grundlegende Sanierung notwendig.

'Wir standen vor der Frage, ob wird das Denkmal in seiner bisherigen Form restaurieren oder eine ganz andere Lösung finden', erzählt Kulturamtsleiterin Antke Bornemann. Nachdem die Angebote der Ausschreibung verglichen waren, stellte sich schnell heraus, dass ein Bronzeguss die bessere Lösung ist. Dies sei kostengünstiger als in Stein oder Beton und dauerhafter, deshalb sei die Entscheidung am Ende nicht schwer gefallen, sagt Bornemann.

Weil auch die beim jüngsten Ortstermin anwesende Ingeborg Ahner-Siese keine Einwände hatte, wurde der alte Maler aus Stein jetzt durch einen neuen aus Bronze ersetzt. Den Transport nach Osnabrück und zurück übernahm der örtliche Bauhof. Leiter Frank Schnakenberg und seine Leute legten dem Maler stabile Spanngurte an und verfrachteten ihn in die Werkstatt der Gießerei. Als der Guss fertig war, trat der Bronzemann die Heimreise zu seinem angestammten Platz an der Landstraße an.

Die Gemeinde Lilienthal weist im Haushalt ein eigenes Budget für den Erhalt und die Pflege von Kunstwerken im öffentlichen Raum. Rund 30 dieser Objekte stehen über das Gemeindegebiet verteilt. Einige gehören der Kommune, bei anderen handelt es sich um Leihgaben der Künstler. Eine herausragende Rolle spielt dabei der Maler an der Landstraße kurz vor dem Abzweig nach Grasberg - weil er sprichwörtlich Teil des öffentlichen Raums geworden ist und von vielen Menschen auf dem Weg von und nach Lilienthal wahrgenommen wird.

Die Gemeinde hätte das Maler-Projekt ohne Hilfe von außen finanziell nicht stemmen können, stellte Bürgermeister Willy Hollatz fest und wies auf die Unterstützung der Volksbank und der Osterholzer Stadtwerke hin. Kunst- und Kulturförderung in der Region gehöre sozusagen mit zum Kerngeschäft, antwortete Volksbank-Vorstand Jan Mackenberg daraufhin.

Und der alte Maler aus Stein? Auch dieser hat inzwischen eine neue Heimat gefunden. Das von Ingeborg Ahner-Siese geschaffene Original sitzt nun im Garten vor der Kunstschau Wörpe-Wümme-Hamme in Trupe. Hausherr Hans-Adolf Cordes freut sich über den neuen Dauergast. Der Galerist verspricht ihm einen herausragenden Platz. Die Fläche muss noch hergerichtet werden, bevor die Skulptur unter einer Laterne auf dem Parkplatz sitzen und an seiner Staffelei arbeiten kann. Den Maler aus Stein werden die Autos auf der nahen Entlastungsstraße dabei nicht aus der Ruhe bringen können. Denn Autoverkehr kennt der Künstler zur Genüge. Schließlich hat er 14 Jahre lang an der Landstraße von Lilienthal nach Worphausen bei Wind und Wetter in stoischer Ruhe ausgeharrt.

Quelle: Wümme Zeitung, 17. September 2010 

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