Veranstaltung zu Regionalbus-Linien

Lilienthal-Worphausen. Ideen geäußert, wie Lüninghausen, Frankenburg, Kleinmoor und Klostermoor besser an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen werden können, wurden in Beckers Gasthaus viele. Vor den Verantwortlichen des Zweckverbands Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) fanden sie aber keine Gnade. Deshalb soll jetzt weiter überlegt werden.

 

Eingeladen hatte die Interessengemeinschaft Linie 670 (IG 670). "Unser Ziel ist die Beendigung der Nichtanbindung von Frankenburg und Lüninghausen ans ÖPNV-Netz", erklärte Heinz-Hermann Schnaars, ehe sein Mitstreiter Horst Beiermann erläuterte, wie sich die IG das vorstellt. Die Regionalbuslinie 670, die aus Worpswede kommt und derzeit über Worphausen nach Falkenberg und weiter zum Bremer Hauptbahnhof fährt, soll gesplittet werden: Jeder zweite Bus soll in die Lüninghauser Straße einbiegen und über die Kreisstraße 8 Lilienthal erreichen. Dann müssten 700 Einwohner von Worphausen 50 Prozent ihrer Busverbindung abgeben, aber 2800 Einwohner würden neu angeschlossen.

Die "große Lösung" der IG 670 sieht vor, die 670 komplett über Lüninghausen fahren zu lassen und zusätzlich die Linienführung der von Zeven kommenden Buslinie 630 zu ändern. Die soll, so Beiermann, dann nicht mehr über die Wörpedorfer Straße nach Falkenberg fahren, sondern in Grasberg auf den Kirchdamm abbiegen und dann über die Moorender Straße und die Worphauser Landstraße nach Lilienthal hineinfahren. Dann würde sogar ein Teil Grasberg-Seehausens angeschlossen.

Der Osterholzer Landrat Jörg Mielke wies darauf hin, dass es auch andere Bereiche im Landkreis ohne ÖPNV gibt. "Wir müssen uns danach richten, wo die Hauptachsen sind, die halbwegs rentabel betrieben werden können", sagte Mielke. Aber durch den Straßenbahnbau ändere sich in Lilienthal soviel, dass man die Gelegenheit zu einem Versuch ergreifen könne. Die EVB, die die Buslinie 630 und über ihre Tochtergesellschaft von Ahrentschildt auch die Linie 670 betreibt, halte davon aber nichts. Deshalb habe man den ZVBN eingeschaltet, der den Nahverkehrsplan für den Landkreis Osterholz, Bremen und die Nachbarlandkreise aufgestellt habe.

Der hält aber auch nichts von den Ideen der IG 670. Sein Geschäftsführer Christof Herr erklärte, eine wechselnde Linienführung der 670 komme nicht in Frage. "Der Fahrgast muss sich darauf verlassen können, dass er dort ankommt, wo er hinwill." Außerdem sollten die 670 und 630 mit der Linie 4 verknüpft werden, so dass es einen gemeinsamen Halbstundentakt vom Bremer Hauptbahnhof aus gebe. Die von Bremen aus hinter Lilienthal gelegenen Gemeinden hätten ein großes Interesse an einer umsteigefreien Verbindung nach Bremen, sagte Herr. Zudem wolle Lilienthal bei Inbetriebnahme der Linie 4 seinen Zuschuss für die Regionalbusse einstellen.

Tim Semmelhaack, beim ZVBN für die Planung zuständig, hat vier Varianten auf Erschließung, Verknüpfung mit der Linie 4, Auswirkungen auf Zeven und Worpswede, Einnahmen und Betriebsaufwand untersucht und mit Schulnoten bewertet. Dabei bekam der jetzige Zustand eine Eins. Die Linie 670 komplett über Lüninghausen wurde mit Zwei bewertet, eine abwechselnde Führung über Lüninghausen und Worphausen kam nur auf eine Vier, die 670 über Lüninghausen und die 630 über Moorende auf eine Drei. Dabei würde sich die Fahrtzeit der 630 um fünf Minuten verlängern, so Herr, und der Vorschlag der IG 670, die 630 in Lilienthal über die Entlastungsstraße fahren zu lassen, was den Zeitverlust aufholen würde, sei untauglich, weil viele Fahrgäste aus Grasberg oder Tarmstedt Ziele in Lilienthal erreichen wollten. Also solle man alles beim alten lassen und nach anderen Lösungen suchen, etwa einem Bürgerbus.

Eva Schäfer, für die Partei Die Linke im neuen Gemeinderat, zeigte sich nicht überzeugt, besonders nicht vom Argument der fehlenden Verknüpfung mit der Linie 4. Schließlich könne man statt in Falkenberg auch in Borgfeld in die Straßenbahn umsteigen, meinte sie. Grünen-Ratsherr Jörg Flömer plädierte für die Umleitung sowohl der 670 als auch der 630. Fünf Minuten mehr Fahrtzeit könne man in Kauf nehmen. "Davon hätten ganz viele Bürger etwas", so Flömer. Das glaubt auch Axel Miesner (CDU): Auch in Grasberg und Seehausen könnten neue Fahrgäste gewonnen werden.

Während Christof Herr mit Mindereinnahmen von 50000 Euro im Jahr rechnet, sollte diese Variante verwirklicht werden, hatte Heinz-Hermann Schnaars eine andere Berechnung, die auf Mehreinnahmen von 33000 Euro kam. Aber auch dann, so Herr, fehlten noch die 260000 Euro, die Lilienthal für die VBN-Busse zahlt. Wenn andere Gemeinden diesen Betrag nicht übernähmen, müsse man über die Aufrechterhaltung des Angebots nachdenken - und, so ergänzte Mielke, die Nachbargemeinden wären wohl kaum bereit, mehr zu zahlen, wenn es allein für Lilienthals Interessen noch teurer werde. "Auf das Gespräch mit Zevens Bürgermeister freue ich mich schon", meinte Mielke ironisch. Die Idee der IG sei auf den ersten Blick zwar bestechend. "Aber das ist nichts, was man mal eben so macht."

Quelle: Wümme Zeitung, 22. September 2011 

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