Am Falkenberger Kreuz drohte Verkehrschaos

Lilienthal. In letzter Minute haben die Politiker den schon beschlossenen Ausbau der Lüninghauser Straße gestoppt – das Risiko von chaotischen Verkehrsverhältnissen mit langen Staus am Falkenberger Kreuz war zu hoch. Die Grünen und die Querdenker hatten ohnehin Bedenken gegen die Verbreiterung der Lüninghauser Straße, der 160 Bäume zum Opfer gefallen wären.

Die Lüninghauser Straße steht schon lange auf der Liste der Gemeindestraßen, die saniert werden müssen. Die Fahrbahn ist marode, Wasser sickert in Asphaltrisse, die bei Frosttemperaturen aufplatzen. Jetzt sollte die schnurgerade Verbindung zwischen Worphausen und Frankenburg samt Fuß- und Radweg saniert werden. Die Gelegenheit war günstig, das Land hatte die Lüninghauser Straße ins Jahresbauprogramm 2013 aufgenommen. Die Gemeinde erwartete 1,7 Millionen Euro als Zuschuss und hätte selbst 1,2 Millionen Euro beisteuern müssen. Der Ausbau war beschlossene Sache, demnächst sollten die Arbeiten beginnen (wir berichteten).

Doch in der vergangenen Woche zogen die Politiker im Verwaltungsausschuss die Notbremse und stoppten das Projekt – weil das Falkenberger Kreuz ein Torso ist. Im Zuge der Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 ist aus der Kreuzung ein Kreisel geworden, doch der blieb unvollendet. Nach der Insolvenz der Baufirma Walthelm stockten die Arbeiten. Wie berichtet kündigte die Gemeinde den Vertrag mit Walthelm und schrieb das Gros der Restarbeiten europaweit neu aus. Die geplante Sperrung der Lüninghauser Straße hätte den stark befahrenen Knotenpunkt noch mehr belastet, es drohten chaotische Verhältnisse, auch wenn der Kreisel-Torso provisorisch als Kreuzung hergerichtet worden wäre.

„Die Unsicherheit war zu groß“, erklärt die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Vogelsang. „Die Frage war: Verschieben wir das bis Juli 2014?“ Doch dann hätte die Baufirma nach Recherchen der Redaktion Hunderttausende von Euros mehr verlangt – ausgeschlossen für die hoch verschuldete Gemeinde. Vogelsang findet es schade, dass die Gemeinde die „Förderkulisse“ nicht nutzen kann. „Ich bedauere das auch“, sagt der CDU-Fraktionschef Rainer Sekunde. „Für mich kam das sehr überraschend.“ Die Planung sei „über Monate vorangetrieben“ worden. „Wir haben viele Fragen, was da an Kosten entstanden ist.“

Den Grünen im Rat behagte das Projekt ohnehin nicht. „Wir sind von einer Sanierung der Lüninghauser Straße ausgegangen“, betont die Fraktionsvorsitzende Gisela Velde-Gestrich. „Das wäre ein Ausbau gewesen.“ Die Fahrbahn wäre durchgehend auf 6,50 Meter verbreitert worden. 160 Bäume sollten gefällt und Leitplanken installiert werden. Das waren die Bedingungen für die Förderung, sonst hätte es keine Zuschüsse gegeben (wir berichteten). Der Sinn eines solchen Ausbaus erschließe sich ihr nicht, sagt Velde-Gestrich. Auf breiten Straßen werde noch schneller gefahren.

„Das wäre eine viel größere Trasse geworden“, glaubt auch Christoph Meyer, Sprecher der Querdenker im Rat. „Wir haben das immer kritisch gesehen, den Ausbau voranzutreiben, nur weil es Subventionen gibt.“ Drei der vier Fraktionsmitglieder wollten lieber die Allee erhalten, nur einer sei für den Ausbau. Meyer wirft der Verwaltung mangelhafte Information vor: „Wir haben nichts Schriftliches gekriegt, es gab nur einen mündlichen Bericht. Da bekommt man Zahlen an den Kopf geworfen, die man nicht nachprüfen kann.“

Bürgermeister bestätigt Ausstieg

Bürgermeister Willy Hollatz bestätigte gestern den Ausstieg aus dem Projekt. Das Ausschreibungsverfahren werde aufgehoben, weil erhebliche Mehrkosten bei einer Verschiebung der Sanierung auf den Sommer 2014 nicht vertretbar seien. Das habe die Mehrheit im Verwaltungsausschuss so gesehen. Um für Verkehrssicherheit zu sorgen, würden nach den Wintermonaten „kleinere Sanierungsmaßnahmen durchgeführt“. Grundsätzlich bleibe eine Sanierung der Lüninghauser Straße in den nächsten Jahren nötig. „Die Alternative ist: Wir machen es selbst mit eigenen Mitteln“, sagte Hollatz. Die Verwaltung schlage vor, das durchzurechnen und die Kosten im Haushalt des Jahres 2015 auszuweisen.

Nach Recherchen der Redaktion dürfte die reine Fahrbahnsanierung ohne Verbreiterung der Straße und ohne Ausbau des Rad- und Fußwegs die Gemeinde ähnlich viel kosten wie der Eigenanteil beim geförderten Ausbau. Doch dann gäbe es keine Leitplanken und keine Baumfällungen, die auch in der Bevölkerung auf Kritik stießen.

Quelle: Wümme-Zeitung, 10. Oktober 2013

Diese Internetseite verwendet an mehreren Stellen sogenannte Cookies. Sie dienen dazu, unser Angebot nutzerfreundlicher, effektiver und sicherer zu machen. Die meisten der von uns verwendeten Cookies sind sogenannte „Session-Cookies“. Sie werden nach Ende Ihres Besuchs automatisch gelöscht. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie Sie sie löschen können erfahren Sie in unseren Datenschutzerklärungen.

  Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite.
EU Cookie Directive Module Information