Gutachter prophezeit zuzug junger Familien, hält es aber für problematisch, alle sechs Grundschulen zu erhalten

Der Schulentwickler Wolf Krämer-Mandeau sieht nur eine Chance, alle sechs Grundschulen in Lilienthal zu erhalten – wenn die Dorfschulen in Seebergen, Worp-hausen und Frankenburg den größeren Schulen im Zentrum als Außenstellen zugeordnet werden. Im Schulausschuss schlug der Bonner am Donnerstag vor, fünf Varianten zur Neuordnung der Schullandschaft näher zu untersuchen. Dazu gehören die Umwandlung der Falkenberger Schule in eine zentrale Kindertagesstätte und die Auflösung der Standorte Seebergen, Frankenburg und Worphausen.

Lilienthal. Im Schulausschuss übten Elternvertreter aus Seebergen und St. Jürgen erneut Kritik an der Arbeit der Projektgruppe Bildung und Region (Biregio). Im Auftrag der Gemeinde haben die Bonner alle sechs Schulstandorte untersucht. Sie haben die Eltern befragt, Raumbedarf und Sanierungsaufwand berechnet und Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung vorgelegt (wir berichteten). Die Bedeutung der Dorfschulen für die Ortsteile sei nicht untersucht worden, kritisierte der St. Jürgener Stefan Traub. Bis in die 60er-Jahre hätten sich Seebergen und Heidberg ähnlich entwickelt, warnte eine Zuhörerin – nach der Schulschließung in Heidberg seien die Ortsteile total auseinander gedriftet.
Stirbt die Schule, stirbt das Dorf? Biregio hat bundesweit über 500 Schuluntersuchungen abgeliefert. Es gebe „keine bekannten Ausschläge in der dargelegten Richtung“, betonte Krämer-Mandeau. Die Erfahrung zeige, dass für das Gros der Eltern die gesamte Infrastruktur einer Gemeinde entscheidend sei. Dazu gehörten Kinderärzte und Apotheken ebenso wie Kindertagesstätten. Im Speckgürtel von Bremen sei die Versorgung gut, im Gegensatz zu Landgemeinden profitiere Lilienthal von Zuzügen. „Sie werden in den nächsten Jahren Eltern um die 30 bekommen“, prophezeite der Gutachter. Daher werde die Schülerzahl in den nächsten 15 Jahren nicht sinken. Das heiße aber nicht, dass die Zukunft aller sechs Schulstandorte gesichert sei. Die Neubürger drängten ins Zentrum, nicht in die Peripherie.
Krämer-Mandeau machte auf einen weiteren Aspekt aufmerksam. Der Zuzug junger Familien fordert von der Gemeinde Investitionen im Kindergarten- und Krippenbereich. „Sie werden bis 2020 vielleicht sieben oder acht neue Gruppen brauchen“, prophezeite der Schulentwickler. Parallel dazu müsse die Gemeinde in alle Grundschulen investieren, in Neubauten oder Altbausanierungen. Für den Ganztagsbetrieb seien neue Räume und Mensen nötig.
Krämer-Mandeau plädierte dafür, „Schulen und Kindergärten zusammen zu sehen.“ Andere Untersuchungen zeigten, dass Eltern Kindertagesstätten in der Nähe wichtiger seien als Grundschulen. Allein seien kleine Schulen auf Dauer nicht überlebensfähig, warnte der Gutachter. Für sie sei es schwer, Schulleiter zu finden. 
Eines müsse den Politikern klar sein: Eine Stärkung der kleinen Schulen bedeute, dass viele Kinder aus dem Zentrum mit Bussen in die Peripherie gebracht würden. „Es ist schwer, den Eltern an den großen Standorten zu erklären, dass ihre Kinder fahren müssen, damit die Kinder der kleinen Schulen nicht fahren müssen.“ Krämer-Mandeau schlug vor, fünf von 14 denkbaren Zukunftslösungen detailliert zu untersuchen. In der nächsten Sitzung im Januar soll der Schulausschuss nach intensiver Diskussion darüber entscheiden, welche Alternativen näher beleuchtet werden. Die „kleinstmögliche Veränderung“ sei, den drei zentralen Schulen je eine Grundschule an der Peripherie als Außenstelle zuzuordnen. So seien Personalprobleme leichter zu lösen. Baulich bleibt bei dieser Variante alles beim Alten, daher müsste die Gemeinde in alle sechs Schulen investieren.

Falkenberg als zentrale Kita? 

Eine denkbare Alternative wäre die Auflösung der Grundschule Falkenberg. Dann würden ihre Schüler nach Trupermoor oder Frankenburg geschickt. Die Gemeinde könnte die Falkenberger Schule zur zentralen Kindertagesstätte machen. Die Schließung der Grundschule Seebergen wäre eine weitere Variante. Seeberger Kinder müssten zum Unterricht nach Trupermoor. Auch die Auflösung der Grundschule Frankenburg ist für den Gutachter eine Option. Frankenburg sei heute schon Außenstelle von Worphausen, und 50 Prozent der Grundschüler kämen jetzt schon mit dem Bus. Die vor zehn Jahren neu gebaute barrierefreie Schule könnte zur Kita umfunktioniert werden. Als fünfte zu untersuchende Variante schlug Krämer-Mandeau die Schließung von zwei Grundschulen vor: in Worphausen und Frankenburg.
Mittel- und langfristig würde die Gemeinde durch die Schließung von Schulen die Betriebs- und Unterhaltungskosten sparen. Andererseits dürfte es sich wegen der hohen Kosten kaum lohnen, die Altbauten in Trupermoor und am Konventshof zu sanieren. Der Neubau von zwei Grundschulen aber dürfte nach einer groben Schätzung des Gutachters zehn Millionen Euro oder mehr kosten – ohne neue Turnhallen.

Quelle: Wümme-Zeitung, 30. November 2014

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