Festhalten an sechs Grundschulen würde Millionen kosten – Ausbau von Krippen und Kindergärten käme zu kurz

So wie es ist kann es nicht bleiben. Das steht für die Schulentwickler der Projektgruppe Bildung und Region (Biregio) fest. Lilienthals sechs Grundschulstandorte zu erhalten, würde Millionen kosten – der Ausbau von Kindergärten und Krippen käme zu kurz. „Der Status quo ist nicht haltbar“, warnte der Gutachter Wolf Krämer-Mandeau am Dienstag im Ratssaal. Er skizzierte ein gutes Dutzend Alternativen. Dabei ging es nicht nur um die kleinen Dorfschulen. Die Gutachter spielten auch die Auflösung der Schulen Trupermoor, Falkenberg und Schroeterschule durch.

Lilienthal. Die Menge an Zahlen, Tabellen und Diagrammen, die der Schulentwickler Wolf Krämer-Mandeau im Rathaus auf die Leinwand projizierte, war für die Politiker und rund 50 Zuschauer schwer zu verdauen. Es ging um die Zukunft der Grundschulen, darum tagten Schulausschuss und Verwaltungsausschuss gemeinsam. Am Ende waren die Volksvertreter nicht in der Lage, sich für vier oder fünf Lösungsvorschläge zu entscheiden. Das soll in der nächsten Sitzung am 27. November geschehen.

Politiker und Zuhörer mussten nicht nur enorme Datenmengen, sondern auch einige Überraschungen verdauen. „Sie müssen an allen Standorten investieren, auch bei den Neubauten“, erklärte Krämer. Beispiel Frankenburg: Für den Ganztagsbetrieb bräuchte die 2004 gebaute Schule zwei Räume mehr und eine Mensa. Selbst in Falkenberg beziffern die Gutachter den Investitionsbedarf auf 649 000 Euro.

Unterm Strich kommen die Biregio-Experten auf gut vier Millionen Euro für bauliche Maßnahmen in den nächsten Jahren. Die Bonner richteten den Blick auch auf die Bewirtschaftungs- und Personalkosten der sechs Schulen und ihrer Turnhallen: All das kostet die Gemeinde 1,25 Millionen Euro im Jahr. Am teuersten ist der Betrieb der Schroeterschule, doch bei den Heizungs-, Strom- und Wasserkosten liegen die Altbauten in Trupermoor und Worphausen gleichauf oder noch darüber.

In anderen Gemeinden sinken die Schülerzahlen schon. Anders ist die Lage in Lilienthal – wegen des Zuzugs von jungen Familien. „Die Zuzugseltern haben die Jahrgänge hochgebracht“, erklärte Krämer-Mandeau der Redaktion gestern. Doch das werde nicht ewig so weiter gehen. Lilienthals Bevölkerung werde älter, die Kinderzahl sinke. Das könne der Zuzug von jungen Familien nicht kompensieren. „Die Geburtenzahlen lassen sich nach 2020 nur halten, wenn Sie weiter diese enormen Zuzüge haben“, erklärte Krämer-Mandeau. Das sei unwahrscheinlich. 

Überraschend rückte der Gutachter in der Ausschusssitzung neben den Grundschulen die Kindertagesstätten in den Blick. Da habe Lilienthal erheblichen Nachholbedarf, vor allem bei den Krippen für unter Dreijährige. Das sei für junge Familien ein entscheidendes Kriterium, immer mehr forderten Ganztagsangebote. „Wenn Sie junge Leute binden wollen, müssen die Kinderbetreuungs- und Schulangebote stimmen“, sagte Krämer-Mandeau.

13 Lösungsvorschläge

Untersucht haben die Gutachter auch alternative Nutzungsmöglichkeiten für Schulen. In Seebergen gebe es einen sanierungsbedürftigen Kindergarten, aber keine Krippe, erklärte Krämer-Mandeau. Die Schule biete Platz für beides, Kindergarten und Krippe. Ebenso ließe sich in Frankenburg eine Kita mit U-3-Betreuung einrichten. Dafür könnten die St. Jürgener Kinder in Worphausen zur Schule gehen, wo Raum und Platz genug ist. Knapp 50 Prozent aller Schüler in Worphausen und Frankenburg kämen schon jetzt mit dem Bus.

Eltern in Seebergen, Worphausen und Frankenburg fürchten die Schließung der kleinen Grundschulen. „Stirbt die Schule, stirbt das Dorf“, warnen sie. Dafür gebe es keinen Beleg, betonte der Experte. Seit 38 Jahren entwerfe die Projektgruppe Biregio in ganz Deutschland Schulkonzepte für Kommunen. „Wenn es in einer Gemeinde stimmt, ziehen die Eltern nicht weg“, sagte Krämer-Mandeau. Eine „interessante Kommune wie Lilienthal“ binde die Familien durch ihre „insgesamt gute Versorgung“. 

In der Elternbefragung hätten weit über 60 Prozent ihre Bereitschaft signalisiert „für die passende Grundschule zehn Minuten oder länger zu fahren.“ Das stieß auf Kritik bei Zuhörern im Saal. Die Wohnortnähe sei 56 Prozent der befragten Eltern wichtig, doch die Qualität der Schule rangiere mit 69 Prozent noch davor, erklärte Krämer-Mandeau. 700 Eltern hätten die Fragebögen ausgefüllt, ein sehr guter Wert von 80 Prozent, daher seien die Ergebnisse valide, also stichhaltig und aussagekräftig. 

Am Ende standen 13 Lösungsvorschläge der Wissenschaftler. Dazu gehört auch die Schließung der Schroeterschule und die Aufteilung der Schüler auf andere Schulen. Dafür spricht der sehr hohe Sanierungsaufwand, doch wäre es nach Krämer-Mandeaus Worten schade um den Standort im Zentrum. Die Auflösung der Schule in Trupermoor wäre auch eine Option, die Auflösung der Falkenberger Schule und ihre Nutzung als zentrale Kita eine andere. Eine Alternative besteht darin, jeder Schule im Zentrum eine Außenstelle im Außenbereich zuzuordnen. Die radikalste Lösung wäre der Neubau von Schroeterschule und Trupermoorer Grundschule samt Auflösung aller kleinen Dorfschulen. Doch diese Lösung würde für die Gemeinde eine Investition im zweistelligen Millionenbereich bedeuten. Die Einspareffekte würden sich dagegen erst langfristig einstellen. 

Die Gemeinde präsentiert das gesamte Gutachten jetzt auf ihrer Internetseite www.lilienthal.de.

Quelle: Wümme-Zeitung, 23. Oktober 2014

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