Das Anruf-Linien-Taxi ersetzt auf zwei Routen das bisherige System der Anruf-Sammel-Taxen. Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs aus Worphausen, Frankenburg, Falkenberg und Seehausen kommen damit zum Falkenberger Kreisel und haben Anschluss an die Regionallinien – ohne extra dafür zahlen zu müssen.

 

Der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) ist ein sensibles System. Wenn man an einer Stelle etwas verändere, so Lilienthals Bürgermeister Willy Hollatz, habe das an anderen Ecken Auswirkungen. Nun hat sich in diesem Jahr mit der Eröffnung der Linie 4 ganz erheblich etwas an der Verkehrssituation in Lilienthal verändert, was auch abseits der Hauptverkehrsadern Folgen hat.

 

Die Regionalbuslinien 630 und 670 – mit der Streckenführung über Moorhauser Landstraße und Lilienthaler Allee – sowie die Straßenbahn bedienen den Ortskern. Die Randbezirke der Gemeinde wurden bislang über ein Anruf-Sammel-Taxi (AST) erschlossen. Das wird auch in den Ortsteilen Höftdeich und Sankt Jürgen mit ihrer sehr weitläufigen, dünnen Bebauung so bleiben. In Worphausen und Seebergen, wo die Wohnbebauung deutlich dichter ist, wir das AST mit der Umstellung auf den Winterfahrplan am 14. Dezember durch das ALT ersetzt. Letzteres steht für Anruf-Linien-Taxi, und das bringt einige deutliche Veränderungen mit sich.

 

Gleich bleibt, dass auch das ALT nur bei Bedarf fährt, es muss mindestens 45 Minuten vor der geplanten Benutzung unter der gewohnten Rufnummer 0 42 08 / 23 32 angefordert werden. Anders als das bisherige AST verkehrt es nicht bis zur Haustür, sondern fährt festgelegte Haltestellen an. Es wird zwei Routen geben: Die Linie 668 oder ALT 1 fährt von Lüninghausen aus und hält am Kiefernweg, bei Behrens, Otten, am Graspad, Marienweg und Weißdornweg auf dem Weg nach Falkenberg.

 

Die 632 oder ALT 2 startet an der Seeberger Landstraße und hält am Alten Postweg, Am Mühlenberg 16, Brünings Hof, Am Fuchsberg, Timmersloher Weg, Schweiz und Alte Reihe bevor sie ebenfalls an der Drehscheibe Falkenberg eintrifft. Dort gibt es Anschlüsse an die Regionalbusse oder die Straßenbahn – allerdings nicht am Wochenende: Das Linien-Taxi verkehrt nur an Wochentagen zwischen 5 und 20 Uhr und in der Regel im Stundentakt. Die genauen Fahrpläne und ein Informationsblatt sollen laut Hollatz in der kommenden Woche aus dem Druck kommen und dann schnellstens an die Haushalte im Einzugsgebiet verteilt werden.

 

„Guter Einstieg“

 

Anders als beim Sammel-Taxi ist auch der Fahrpreis: Fürs Linien-Taxi gelten die normalen ÖPNV-Tarife. Die Tickets sind beim Fahrer erhältlich. Wer also beispielsweise einen Fahrschein nach Bremen löst, bekommt die Taxianbindung gratis dazu, eine Zuzahlung wie beim AST wird es nicht mehr geben. Dennoch betonen Hollatz und Christof Herr, Geschäftsführer des Zweckverbands Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN), dass über den bisherigen Lilienthaler Haushaltsansatz von 40 000 Euro für den ÖPNV dieser Service komplett zu finanzieren sei. Wie bisher wird das Grasberger Unternehmen Schaffert Fahrzeuge und Personal stellen.

 

Mit diesem Konzept kann auch die Interessensgemeinschaft IG 670 gut leben, wie Sprecher Heinz-Hermann Schnaars betont. Man habe zwar andere Ideen eingebracht, aber die jetzige Lösung sehen er und seine Mitstreiter auch im übertragenen Sinn als „guten Einstieg“ an. Insbesondere die Einbindung in den ÖPNV-Tarif sei ein großer Vorteil, das einzige Handicap bleibe eben die vorherige telefonische Bestellung, gibt Schnaars zu bedenken. „Man wird sehen, wie es angenommen wird. Manche ältere Menschen haben kein Handy, für die wird es sicherlich manchmal etwas schwieriger: Sie müssen entweder vorbestellen oder genau abschätzen, wann sie beispielsweise nach einem Einkauf in Bremen wieder zurückfahren wollen.“

 

Dennoch ist die IG 670 zufrieden und hofft, dass die Taxen gut frequentiert werden. „Wenn nicht, dann wäre es nur folgerichtig, dieses Experiment wieder einzustellen“, sagt Schnaars. Auch für die Verantwortlichen beim ZVBN hat das Projekt Pilotcharakter. Es sei in ihrem Einzugsgebiet einmalig, dass beim Nahverkehr eine so grundlegende Neuorientierung wie in Lilienthal passiere, so Christoph Herr. Man werde zusammen mit der Gemeinde genau beobachten, wie das Linien-Taxi angenommen werde und gegebenenfalls nachjustieren.

 

Einer der ersten Nutzer steht bereits fest: Wenn am Montag, 15. Dezember, der erste Betriebstag läuft, trifft sich die IG 670 an der Haltestelle Behrens, Punkt 10.43 Uhr. Sie will mit 20 Personen zum Essen nach Borgfeld fahren. Natürlich mit dem Anruf-Linien-Taxi.

Quelle: Wümme-Zeitung, 08. Dezember 2014

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