Karin Hündling stellt neue Arbeiten im Niels-Stensen-Haus vor

Lilienthal-Worphausen. Es ist eine Begegnung mit der Aura von Grau. "Monochromie" oder "o.T." - ohne Titel - hat Karin Hündling ihre neuen Arbeiten in asketische Worte übersetzt. Reduktion auf das Wesentliche, das liest sich auch aus den siebzehn Exponaten, die bis zum 11. Januar im Niels-Stensen-Haus zu sehen sind.

 

Wie viele verschiedene Grauschattierungen es gibt und wie sie sich zueinander verhalten, hat sie in ihren Arbeiten selbst überrascht. Der weiße Karton trägt die Komposition, Farbe wird immer mit dem Spachtel aufgetragen. Mit ihren Schichtungen erzeugt sie Tiefe und Räumlichkeiten. Strukturen entstehen, Linien, Spuren gleich, ergänzt durch ein geometrisch und abstrakt anmutendes Formenrepertoire. Die Wirkung ist die gedämpfter Spannung, die Farbwerte überwiegen in der geistberuhigenden Ästhetik von Grau und Weiß.
Die Werke könnten für unlesbar gehalten werden. Doch Donata Holz, Kulturwissenschaftlerin aus Worpswede, hat sich der Künstlerin mit Sachverstand genähert und findet in einem Zitat Worte, die ihr in ihrer Laudatio kluge Annäherung erlauben: "Kunst ist die Zwiesprache des Menschen mit seiner eigenen Seele."
Nicht die Abbildung sei hier versucht worden, nicht die Liaison mit thematischen Verbindlichkeiten. Vielmehr sei ein authentisches Werk geschaffen aus einer "inneren Notwendigkeit und Ehrlichkeit" heraus. Unmittelbarkeit und Versenkung seien dafür notwendig, hineinzusehen in die tiefsten Schichten des Ich. Ein Akt der Schöpfung, der unbedingte Stille erfordert, wie die Künstlerin später sagt: "Ich brauche zum Arbeiten absolute Ruhe."
Sie, die auch in der Musik lebt, mag "das Reduzierte, das Zarte", das auch die stimmungsvollen musikalischen Bilder von Juan Maria Solare am Piano aufnimmt. Reduktion heißt für sie "Konzentration auf das Wesentliche". "Erst dann kann man in die Tiefe gehen".
Das, was sich in Karin Hündlings Zeichnungen an "monochromem Ansatz" findet, wo "nahezu einstimmige Grautöne zusammenfließen", und in weiteren Arbeiten an Bildschichtung, Ebenen und Kontrasten bedeutsam ist, dafür öffnet Donata Holz den Blick. Und lenkt ihn gleich auf zwei weitere Techniken der Künstlerin: die Collage, für die Karin Hündling mit zerrissenem Zeitungspapier und Farbe Formen, Zeit und Raum neue Dimensionen gegeben hat, und die Decollage. Die lebt durch freigelegte Flächen, für die sich durchaus figurative Phantasien entwickeln lassen.
Dass "die Bilder breiten Raum der Interpretation" lassen, die sich auf verschiedenen Ebenen vollziehen kann, damit hat die Laudatorin sicher Recht. Und legt den Besuchern an diesem Abend nahe, selbst schöpferisch zu werden im Dialog mit der Kunst.

Quelle: Wümme Zeitung, 21. November 2003, Ute Löwenstein-Wagner

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