Britta Bolte lotet im Niels-Stensen-Haus Grenzen zwischen Innen und Außen aus

Lilienthal-Worphausen. Vor der Entwicklung technischer Hilfsmittel wie Licht- oder Elektronenmikroskop hätte Britta Bolte ihre Kunst anders ausrichten müssen. "Haut" wäre vielleicht ihr Thema geblieben, diese Grenze zwischen Innen und Außen, "schützende" und gleichzeitig "bewohnte" Hülle. Was einem "unbewaffneten Auge", wie es die Biologen nennen, aber gefehlt hätte, wäre der Blick auf die zelluläre Ebene gewesen. Auch den wirft sie mit ihren Bildern im Niels-Stensen-Haus.

 

Es ist die erste größere Einzelausstellung der jungen, 1982 im westfälischen Ahlen geborenen Künstlerin, die zwei Jahre an der "Hogeschool voor Wetenschap en Kunst" in Gent studierte, bevor sie im September von Belgien nach Nijmegen wechselte. "Körpergrenzen - Grenzkörper" zeigt sie hier und setzt mit dem Untertitel gleich den sinnlichen Aspekt dazu: "Farben sind wie Wunden des Lichts". In 36 Bildern und Zeichnungen nähert sie sich "dem Phänomen der Transformation und Veränderung des menschlichen Körpers und seiner Grenzen". Haut als lebendige Barriere, durch die biologische Systeme erst existieren können, ihre Wahrnehmungsqualitäten, die Wechselwirkung mit der Umwelt, selbst der Blick auf die Ebene des Zellstoffwechsels ist das, was sie interessiert. "Ich habe mich viel mit meinem eigenen Körper beschäftigt", sagt die Künstlerin und nennt als Vorbilder neben Joseph Beuys auch Lisette Verkerk mit ihren Körperarbeiten. Dennoch lässt keiner der Titel irgendetwas von den

Hintergründen ahnen. Ausgangspunkte ihrer Suche nach Abstraktionsmitteln für die Thematik waren zytologische Abbildungen in biologischer Literatur und Dias. Mikroskopische Aufnahmen wurden zur Grundlage vieler Zeichnungen. Doch von einer 1:1-Umsetzung ist Britta Bolte weit entfernt. Vielmehr dienen ihr die Aufnahmen von vorwiegend menschlichen Zellen - Haut- und Blutzellen - als Inspiration für eigene, künstlerische Interpretationen, erzählt sie im Gespräch mit dem Direktor der katholischen Bildungsstätte, Professor Dr. Stefan Scheld. Zerbrechlichkeit und Transparenz der dargestellten Objekte bleiben erhalten, selbst dann, wenn sie mit Öl arbeitet. Mit Farbe geht sie dynamisch bis monochrom verhalten um. Überhaupt hat sie mit den unterschiedlichsten Malmitteln, Materialien und Verfahren experimentiert. Sie arbeitet mit Öl-, Acryl-, Aquarellfarben, Tusche, Bleistift und Buntstiften, mit Textil, Wachs, Plasticine, Papier, nutzt Holzdruck, Linolschnitt und selbst ihre Nähmaschine für

"Zeichnungen". Offensichtliche Chronologien finden sich in ihren Bildern nicht, wohl aber die Entwicklung von konkreten Annäherungen an das Thema - in "Auf-gespannt" arbeitet sie mit zusammengenähten Perlonstrümpfen, Ölfarbe, Wachs und mit Kreidepulver versetztem Leim, um die Struktur der Haut nachzuahmen - bis hin zu abstrakten Kompositionen. Neben der Kunst in Verbindung mit anatomisch und physiologisch angelehnten An- und Einsichten scheint auch die emotionale Bedeutung des Themas unüberhörbar. Geht es bei Haut nicht auch immer um die Beziehung zu anderen Menschen? So scheint sich in der beruflichen Neuausrichtung hin zur Kunsttherapie widerzuspiegeln, was sie will: mit Kunst auch sozialen Einfluss nehmen.

Quelle: Wümme Zeitung, 9. Dezember 2004

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