Erntefest auf dem Lilienhof an drei Tagen mit Laternen, Ball und plattdeutschem Gottesdienst

Lilienthal-Worphausen. Wer gern gibt, gibt doppelt, heißt es im Volksmund. "Wer danke seggt, de hett dübbele Freid", hieß es in der Predigt zum Erntefest auf dem Lilienhof. Dort hielt am Sonntag der frühere, inzwischen pensionierte und in Bremen-Nord lebende Ritterhuder Pastor Heiko Schomerus einen plattdeutschen Gottesdienst.

Drei Tage lang dauerte das Erntefest, das traditionell vom Gemischten Chor Moorende und den Worphüser Heimotfrünn veranstaltet wird. Der Freitag war den Kindern, der Sonnabend den Älteren und der Sonntag den Plattdeutschen zugedacht. Es ging los mit einem Laternenumzug: Knapp 60 Kinder und ihre Eltern fanden sich am Abend auf dem Lilienhof ein und wanderten über die Gartenstraße und die Querreihe bis zum Schulhof, begleitet von der Musik dreier Akkordeons - eines am Beginn des Zuges, eines in der Mitte, eines am Ende. Zwar hatte der Weg hin und zurück nur eine Länge von einem Kilometer, aber die Kinder brauchten doch eine volle Stunde dafür: Mal musste hier eine Laterne neu angezündet werden, mal hier ein besonders lütter Buttjer von seinen Eltern zum Weiterlaufen überredet werden. Der Weg lohnte sich, zum Schluss gab es im Lilienhof für die ganze Gesellschaft heiße Waffeln.Am Sonnabend sollte es eigentlich Tanz und Gesang unter der Erntekrone geben, aber da die Hälfte des Moorender Chors noch nicht von ihrer Afrikareise zurückgekehrt war, mussten sich die Gäste des Balls mit der Musik des DJ's begnügen. Sonderlich voll war es nicht, aber es habe herrliche Stimmung geherrscht, sagt Hinrich Tietjen, der Vorsitzende der Worphüser Heimotfrünn. Gerade weil auf der Tanzfläche kein Gedränge war, war es sehr lebendig, und der DJ habe sich gut den Wünschen der Gäste und ihrem Alter angepasst, lobte Hinrich Tietjen: Discomusik gab es nicht, dafür Schlager und Volksmusik. Um Mitternacht war Schluss für die meisten Gäste, die Organisatoren waren noch anderthalb Stunden mit Umräumen für den nächsten Tag beschäftigt, und als sie damit fertig waren, erhoben sich auch die letzten Unentwegten von ihren Stühlen.Beim Gottesdienst am Sonntag mit Musik von den Posaunenchören Worpswede und Sankt Jürgen, zu dem ungefähr 60 vorwiegend ältere Besucher gekommen waren, predigte Pastor Heiko Schomerus über die Heilung der zehn Aussätzigen unter dem Motto: "Wer danke sagt, hat doppelte Freude." Sein Platt war für Ohren aus dem Teufelsmoor zuweilen etwas ungewohnt, aber verständlich - Pastor Schomerus stammt aus der Nähe von Aurich und wirkte lange Zeit in Ritterhude.Die doppelte Freude hat ein Beschenkter, der sich bedanken kann, nicht nur über das Geschenk, sondern auch darüber, was damit ausgedrückt werden soll. Und der, der das Geschenk gemacht hat, freut sich, wenn er merkt, dass verstanden wurde, was er mit dem Geschenk ausdrücken wollte.Ähnlich verhielt es sich mit den zehn Aussätzigen, die von Jesus geheilt wurden. Geheilt wurden alle zehn, aber nur einer kam zurück, um sich zu bedanken. "Dein Glaube hat dir geholfen", sagt Jesus zu ihm. Gesund wurden zwar auch die anderen, aber der, der sich bedankte, war der einzige, der nicht vergeblich krank war und geheilt wurde. Krankheit, so der Prediger, könne auch eine Botschaft sein, dass man sich ändern solle. Die anderen neun Aussätzigen sind nur einem Heiler begegnet, der, der zurückkam, sei Jesus begegnet, erklärte Pastor Schomerus. Für die anderen habe ihr Leben sich nicht geändert, auch wenn sie nun körperlich gesund seien. Wenn man sich aber für ein Geschenk bedanke, sei dies anders: Man lasse das Geschenk bei sich ankommen und damit auch den, der es geschenkt habe. Das Erntedankfest, so meinte ein beeindruckter Zuhörer nach der Predigt, sei nur dann Dank, wenn der Dank das eigene Leben verändere.

Quelle: Wümme Zeitung, 10. Oktober 2005 

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