Plattdeutsche Kulturtage bescherten neben Theater auf dem Flett auch historische Betrachtungen

Lilienthal-Worphausen. Ein bisschen war es, als habe jemand die Zeituhr zurück gedreht. Was sich auf dem Flett im historischen Bauernhaus auf dem Lilienhof zutrug, passte so recht zu dem alten Drumherum auf der Diele und nahm die zahlreich herbeigeströmten Männer und Frauen auf stimmungsvolle Weise ein paar Jahrhunderte mit in die Vergangenheit. Bei Butterkuchen aus dem Steinbackofen erlebten die Plattdeutschen Kulturtage der Gemeinde wieder einmal einen herzerquickenden Abschluss.

 

Schon an den drei vorangegangenen Tagen konnte sich das Publikum auf dem Lilienhof köstlich amüsieren. Das Theater auf dem Flett hatte hier die plattdeutsche Version von Moliéres "Tartuffe" gezeigt. "Een ganz een griesen Halunk" steht im Untertitel des Stücks, und diesem Halunken bei seinem durchtriebenen Spiel zuzusehen, ist eine reine Freude. Vortrefflich nimmt Moliére in seinem Stück den frömmelnden Heuchler aufs Korn und legt auf witzige Weise menschliche Schwächen bloß. Das Seminarensemble des Landschaftsverbandes Stade, das seit 1991 Akteuren niederdeutscher Bühnen zwischen Elbe und Weser die Möglichkeit gibt, unter professioneller Regie ihr schauspielerisches Können zu verbessern, war diesmal zu seinem alten Grundsatz zurückgekehrt. Als Requisite reichte allein das, was das Flett eines alten Bauernhauses zu bieten hat.

Hier ging es auch am Sonntag munter weiter. Stets rundet das gemütliche Zusammensitzen bei Kaffee, Tee und Butterkuchen - wieder von den Worphüser Heimotfrünn schmackhaft auf den Tisch gebracht - die Plattdeutschen Kulturtage ab. Stets wird dazu ein unterhaltsames Programm serviert. Die Klostermus’kanten spielten schwungvolle Lieder, und die Plattsnackers aus dem Heimatverein verbreiteten jede Menge Nostalgie. Sie hatten "dat ole Handwark ut’n Düvelsmoor" noch einmal aufleben lassen. Den Korbflechter, den Schmied, der auch nebenbei Pferdedoktor und Zahnarzt war, den "Seilmaker" und viele andere Professionen, ohne die die Menschen im Moor damals nicht auskamen. Jeder dieser kernigen Kerle - un ok de eene echte Pastorsche - wusste dem plattdeutschen Bericht über de olen Handwarkslüüd noch augenzwinkernd eine Anekdote hinzuzufügen. Etwa die von Jan Sand, dem Milchfahrer, der in einer seiner Kannen auch Branntwein kutschierte. Aus dem Deckel trank man ihn und mitunter auch zu viel davon.

Jan Sand sei dann auf dem Kutschbock eingenickt. Aber seine Pferde hätten den Weg auch allein sicher nach Hause geschafft.

Rupprecht Knoop gab den Schoolmester und führte durch das Programm, das dem Rednerpult im Wechsel neue Requisiten bescherte. Der Seiler - vorm Bauch und am Rücken einen Büdel mit losen Pflanzenfasern - packte schwungvoll ein Seil darauf, der Holschenmaker schmetterte einen Pferdeschuh auf die Pultecke, und der Schmied legte einen Hammer darauf ab. Hier standen die Plattsnackers nun und vertellten, wo dat so wesen is, mit dat Handwark in’n Düvelsmoor. Und die gebannt lauschende Gästeschar wurde zum Teil recht detailgenau informiert. Wie man seinerzeit einen Torfkahn zusammenzimmerte, dass schon die Holschenbauer vom Brettholschen bis zum hölzernen Stiefel mit einer zweckmäßigen Kollektion glänzen konnten und dass das Handwerk auch mal Skurriles mit sich brachte

Die Sargtischlerei sorgte dafür, dass es im nassen Sankt Jürgensland für den Fall der Fälle immer zwei Reservesärge auf den Höfen gab. Im Winter musste der Verstorbene auf besseres Wetter warten, bis er unter die Erde kommen konnte. Zuweilen wurde in den Särgen auch Obst zum Trocknen aufbewahrt. "Un denn hebbt se ok mal den Sarg mit de drögten Appels nah’n Karkhoff bracht."

Quelle: Wümme Zeitung, 19. Oktober 2006 

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