Fundstücke: Sinnvolles für den Dachfirst und die Küche

mit der Heidesense schnitten unsere Vorfahren den Rohstoff für die Firste ihrer DächerLilienthal. Wieder einmal hat Hinrich Tietjen auf dem Lilienhof das Tor zur Vergangenheit aufgeschlossen. Die Sonne bleibt draußen vor der Tür des alten Bauernhauses. Drinnen hinter der hohen Schwelle kitzeln im schummrigen Sommerlicht zu Staub gewordene Jahre in der Nase. Für Nostalgiker gleicht der Fachwerkbau einer Fundgrube. Pferdegeschirre hängen an der Wand, rostige Fahrräder stehen da und auf einem Regalbrett über ebenso rostigen Torfstichgerätschaften liegt eine kleine Sense. Der Vorsitzende der Worphüser Heimotfrünn streckt sich danach, greift sie am kurzen Holzstiel und holt sie herab.

"Das ist eine Heidesense", erklärt Tietjen. Jedes Stroh- oder Reetdach in der Region trug früher einen Heidefirst. Damals wuchs das Kraut mit dem drahtigen Stiel noch hier. Jetzt ist es dem Kulturland gewichen. Damit Lilienhofbesucher noch eine Idee von der Pflanze bekommen, fährt Tietjen mit dem Rasenmäher um einen kleinen Heideflecken drum herum. Dort zeigt er auch, wie früher mit der kleinen Sense mit dem kniehohen Stiel das Heidekraut geerntet wurde. Dabei streicht er mit dem nunmehr rostigen Sensenblatt sachte durch das Kraut. "Es musste zu einer gewissen Zeit geschnitten werden", sagt Tietjen. aber auch für den Heidequast, der zum Töpfe schrubben taugt.Aber nicht während der Blüte. Da gehörte das Heidekraut den Bienen.
Nicht nur auf dem Dach nutzten unsere Vorfahren noch vor 100 Jahren die anspruchslose Pflanze. Im Backhaus des Lilienhofes lehnt ein Heidequast auf dem Küchenregal. Ein wenig erinnert der runde Bund mit den drei Weidenringen an einen Hexenbesen. Allerdings ein paar Nummern zu klein. Er ist gerade mal 20 Zentimeter lang, und die Hausfrauen schrubbten damit früher ihre Töpfe.

Quelle: Wümme-Zeitung, 23. August 2017

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