Fundstücke

Das Schuhmacherhandwerk ist in Deutschland nahezu ausgestorben. In früheren Zeiten aber saßen Schuster über Dreibeine gebeugt, um Leder aufzuklopfen oder Sohlen zu beschlagen.

Das merkwürdiges Ding aus Gusseisen. Ein sogenanntes Dreibein.Lilienthal. 100.000 Kilometer, das entspricht einem Viertel der Strecke von der Erde zum Mond oder zweieinhalb Weltumrundungen: So weit läuft ein durchschnittlicher Fuß während eines Menschenlebens. Der Körperteil ist ein Geniestreich der Natur, der den aufrechten Gang ermöglicht und eben durchs Leben trägt. Für manche ist er auch der ehrlichste Körperteil überhaupt. Denn angeblich verrät er, was wir denken und fühlen.

Ärzte empfehlen, auch im Industriezeitalter gelegentlich mal die Schuhe wegzulassen. Denn die Geschichte der Schuhe ist auch die Geschichte der Fußdeformationen: Knick-, Senk- und Spreizfüße lassen grüßen. Ärzte raten dazu, mehr barfuß zu laufen. Wer nämlich mit seinen Schuhen Pech hat, den können auch Blasen, Schweißfüße, Rückenschmerzen, Überbeine, Hühneraugen und Hass quälen.

Schon früh jedoch zwängten die Menschen die beiden Wunderwerke am Ende unserer Beine in Schuhe. Als sie sich vor tausenden Jahren Tierhäute und Felle um die Füsse wickelten, um sich so vor Dornen, spitzen Steinen und vor Kälte zu schützen, dachte niemand daran, welchen Siegeszug das Schuhwerk um den Globus antreten würde. Schuhe gehören zu den ältesten Kleidungsstücken der Menschheitsgeschichte, und das Handwerk des Schuhmachers ist eines der ältesten überhaupt.

Heinz Poppes Vater war so ein Schuster. Der Rentner erinnert sich noch gut an den Geruch von Leim und Leder, an den Hammer, der leise klopfte, an die Nähmaschine, die sein Vater Heinrich mit Hand und Fuß betätigte. In der Ecke der kleinen Werkstatt in Lüninghausen stand ein gußeiserner Ofen, der bis zur Decke ragte. Leute kamen ins Haus, um sich neue Schuhe zu kaufen oder die alten auf Vordermann bringen zu lassen. Auf der Hofstelle hielt Heinrich Poppe Schweine und Kühe. Bis zu seinem Tod Mitte der 80er-Jahre war er Schuster. Vorher verfügte er, dass alles, was er für seine Arbeit brauchte, später dem Handwerkermuseum in Worphausen geschenkt werden solle. Dazu gehörten Hammer, Zangen, Schleif- und Klopfstein, Locher, Leisten, Pinnen, Pfrieme und Messer.

Und ein merkwürdiges Ding aus Gusseisen. Ein sogenanntes Dreibein, über dem Heinrich Poppe gebeugt saß und mit einem Hammer Materialien verdichtete, Sohlen beschlug oder Leder ausklopfte. Der massive und schwere Amboss, auch Dreifuß oder Schuhmachereisen genannt, besitzt drei Bearbeitungsflächen, auf der der Handwerker die Schuhe richtete. Heutzutage ist das Schuhmacherhandwerk in Deutschland jedoch nahezu ausgestorben.

Quelle: Wümme-Zeitung, 15. August 2017

Diese Internetseite verwendet an mehreren Stellen sogenannte Cookies. Sie dienen dazu, unser Angebot nutzerfreundlicher, effektiver und sicherer zu machen. Die meisten der von uns verwendeten Cookies sind sogenannte „Session-Cookies“. Sie werden nach Ende Ihres Besuchs automatisch gelöscht. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie Sie sie löschen können erfahren Sie in unseren Datenschutzerklärungen.

  Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite.
EU Cookie Directive Module Information