Fundstücke

Mit einem rund 20 Kilo schweren Holzstampfer haben früher Fernmeldetechniker im Winter zugefrorene Deckel von Kabelschächten gelöst.

Lilienthal. Technik ohne Ende. Apparate, Elektro-Mechanik, Bleikabelmuffen, Schaltschränke, Wählscheiben. Ein Paradies für Liebhaber historischer Fernmeldetechnik. Aber was hat dieses Ding aus Holz zwischen all dem Metall, den Drähten und Telefonen zu suchen, da oben in der Museumsscheune der „Oll'n Handwarkers ut Worphusen un annere Dörpern“? Das knapp einen Meter hohe Objekt mit den beiden seitlichen Griffen beflügelt die Fantasie. Keine Knöpfe, keine Öffnung, wozu nur diente es? Zum Bodenverdichten?

Dieses Gerät diente dazu, zugefrorene Deckel von Kabelschächten zu lösen.„Ich würde es Holzstampfer nennen“ sagt Sven Wohltmann, von Beruf Kommunikationselektroniker, als er den wohl 20 Kilo schweren Holzklotz mit beiden Händen hochhebt. Wer dem Bremerhavener zuhört, erfährt, dass sich der rätselhafte Gegenstand seinen Platz in der Zone der Telefonisten verdient hat. Fernmeldetechniker setzten den Holzstampfer ein, um im Winter die zugefrorenen Betondeckel von Kabelschächten, die unterirdisch meistens an Gehwegen liegen, zu öffnen. Oder besser, um den Deckel so zu erschüttern, dass sich das Eis am Schachtrahmen löste. Aus Holz musste er sein, damit die Stöße den Beton nicht beschädigten. „Mit einem Vorschlaghammer hätte das passieren können“, weiß Wohltmann.

Zwei Ringe umfassen das Holzwerkzeug, damit es im Einsatz nicht splittert oder sich spaltet. Dass sie nicht aus Eisen sind, sondern aus Messing, hat ebenfalls seinen Grund. „Messing schlägt anders als Eisen keine Funken, wenn man mit dem Stampfer abrutscht“, weiß Sven Worthmann. Die Funken sind gefährlich. „In diesen Schächten können sich Faulgase bilden, wodurch es zu einer Explosion kommen kann.“

Wohltmann ist im Jahr 2002 zu den Oll'n Handwarkers gestoßen. Viele funktionsfähige Fernsprechapparate von 1890 bis 1950 hat er dem „Wählamt Worphausen“, der fernmeldetechnischen Sammlung im Handwerkermuseum, zur Verfügung gestellt. Dort trifft er sich je nach Lust und Laune mit Gleichgesinnten, um Apparate auseinanderzubauen. Die Teilnehmer stammen von der Deutschen Bundespost und anderen Behörden mit fernmeldetechnischen Bereichen. „Wir wollen historische Fernmeldetechnik, die über Jahrzehnte lang Stand der Technik war und Meilenstein zur heutigen modernen Kommunikationstechnik ist, der Nachwelt erhalten“. Weitere Infos im Internet unter www.waehlamt-worphausen.de.

Quelle: Wümme-Zeitung, 23. Juli 2017

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