Fundstücke

Ein Holzstiel mit dickem Holz am Lederriemen sorgte eins für den richtigen Dreh und Schwung bei der Kornernte. Auf dem Lilienhof in Worphausen ist ein solcher Flegel noch zu sehen.

Lilienthal. Einen Flegel möchte man vielleicht nicht so gern zu Hause haben. Ganz anders dachten darüber früher die Bauern. Ohne Flegel wären sie ziemlich aufgeschmissen gewesen. Wobei sie weniger einen ungehobelten Lümmel im Sinn hatten als vielmehr das äußerst nützliche Stück Holz, das Hinrich Tietjen, Hausherr im Bauernhaus auf dem Lilienhof, nun wie eine Angel in den Händen hält.

Am gut zwei Meter langen hölzernen Stiel baumelt an einem Streifen Leder ein etwa 20 Zentimeter langer und sechs Zentimeter breiter Holzklotz wie ein Fisch am Haken. Wer sich heute eine Stulle Brot schmecken lässt, verschwendet wahrscheinlich keinen Gedanken an jedes einzelne darin verarbeitete Getreidekorn. Hundert Jahre zurückgerechnet, muss den Leuten am Frühstückstisch aber noch jeder Tropfen Schweiß in Erinnerung gewesen sein, der ihnen die Mahlzeit bescherte. Ohne kräftige Prügelei war Brot nicht zu haben. Im absolut friedlichen Sinne, wohlgemerkt.

Der Flegel, den Besucher wie etliche andere nützliche Dinge vergangener Zeiten auf der Worphauser Hofanlage entdecken können, ist ein Dreschflegel. Damit wurde das Korn aus den Ähren geschlagen, erzählt Hinrich Tietjen. „Das war Arbeit für den Winter. Dann hatten sie Zeit dafür.“ Im Sommer holten die Bauern die Getreide-Garben ins Haus, die bis zur dunklen Jahreszeit auf dem Dachboden gelagert wurden, wo sie trocknen konnten, weiß der Vorsitzende der Worphüser Heimotfrünn, die die Anlage auf dem Lilienhof betreuen.

Im Winter holten sie dann die Ernte wieder hervor. „Wer im Hause greifbar war, musste ran“, beschreibt Hinrich Tietjen die Drescharbeiten. Der Flegel brauchte dabei „einen bestimmten Rundschlag, mit dem auf die Ähren gehauen wurde“. Die spezielle Konstruktion ermöglichte durch den Dreh einen gewaltigen Schwung. So schlug die Bauernfamilie auf die am Boden liegenden Ähren ein und zog mit dem Holzprügel alles auseinander, damit sich die Spreu vom Korn trennte.

Hatte die Diele einen Lehmboden, brauchten die Bauern nicht daran zu denken, vor der Drescherei Laken auszulegen. Auf Holzdielenboden aber schon. „Damit die Körner nicht durch die Ritzen rieselten.“ Das sei ein einziges Schlagen und Ziehen gewesen, erzählt Hinrich Tietjen. „Und da wurde nicht gestöhnt“, fügt er hinzu. „Heute sagt man ja: Hol mal die Maschine her.“

Anfang des 20. Jahrhunderts waren es die Dreschmaschine, die für Erleichterung sorgten. Gut 50 Jahre später übernahmen die Mähdrescher nach und nach die schweißtreibende Arbeit. So ein Flegel hatte dann seine Ruhe.

Quelle: Wümme-Zeitung, 16. Juli 2017

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