Lilienhof und Vereinsgründung: Worphauser Heimotfrünn feiern zwei runde Geburtstage

Lilienthal. Auf den ersten Blick vermittelt das Fachwerkensemble einen ruhigen Eindruck. Dahinter stecken aber erheblicher zeitlicher Aufwand und viel freiwilliges Engagement. Auf der Anlage Lilienhof an der Worphauser Landstraße haben die Mitglieder des Vereins Worphüser Heimotfrünn im Verlauf der vergangenen 30 Jahre gleich fünf Fachwerkhäuser errichtet. Das Herzstück ist ein Bauernhaus, das nach mehrjähriger Aufbauzeit im Mai 1987 offiziell eingeweiht wurde. An dieses Datum will der Verein jetzt mit einem großen Fest erinnern - und dies mit einem zweiten Anlass verbinden: Der Verein und Betreiber der Anlage, die Heimotfrünn, feiern in diesem Jahr den 40. Geburtstag. Das Festprogramm von Sonnabend, 29. April, bis einschließlich Montag, 1. Mai, stellte der Vorstand jetzt vor.

Im April 1977 fanden sich zunächst 13 Männer und Frauen auf Initiative von Dirk Miesner zu einem „kulturellen Gedankenaustausch“ und schließlich zur Gründung eines Heimatvereins in der ehemals selbstständigen und ländlichen Gemeinde Worphausen zusammen, wie es in den Unterlagen zur Historie heißt. Die Satzung beschreibt die Aufgaben mit der Pflege der plattdeutschen Sprache, den Erhalt alter Gebäude und Gegenstände, Volkstanz, Laienspiel und den Erhalt von Fertigkeiten wie Spinnen, Stricken und Brotbacken. Die Initiative der Gründer stieß auf großes Interesse. Schon im Gründungsjahr traten 84 Mitglieder dem neuen Verein bei, heute stehen rund 400 Namen in der Mitgliederliste.

Beim Bau eines eigenen Domizils waren die Heimotfrünn kaum zu bremsen. Die Gemeinde stellte ein großes Grundstück, den heutigen Lilienhof, zur Verfügung und die Heimatfreunde erwarben im Verlauf der nächsten Jahre nicht nur eins, sondern gleich fünf historische landwirtschaftliche Gebäude, die sie an ihren angestammten Plätzen abbauten, nach Worphausen transportierten und auf dem Areal wieder in Handarbeit aufstellten: ein Bauernhaus, ein Backhaus, eine Scheune, einen Schafstall und einen Spieker.  Ein einzigartiger Aufwand, den die Mitglieder ehrenamtlich und in ihrer Freizeit geleistet haben. „Das wäre heute in dieser Form sicherlich nicht mehr möglich“, wie der langjährige Vorsitzende Hinrich Tietjen dazu erklärte. 

Das Bauernhaus stammt aus dem Jahr 1651, gehörte einer Familie aus Wulmstorf im Landkreis Verden und wurde in Worp- hausen im Mai 1987 eingeweiht. Ein Backhaus aus dem Jahr 1738 stand ehemals in Martfeld-Kleinenborstel und wurde 1984 mit einem Anbacken in Betrieb genommen. Die Scheune aus Axstedt ist rund 300 Jahre alt und wurde 1985 wieder aufgebaut. Es folgte ein Spieker aus dem Jahr 1720, der in Martfeld-Hustedt stand, in Worphausen eingelagert und 1990 wieder aufgebaut wurde, während ein historischer Schafstall seit 1991 zum Ensemble des Lilienhofs gehört. 

Seitdem ist der Hof komplett und dient regelmäßig als öffentlicher Veranstaltungsort und auch als Ort für Trauungen. Seit dem Sommer 2001 ist das Bauernhaus als Standesamt zugelassen. Zweimal pro Jahr wird der Backofen angeheizt, die Heimotfrünn laden zu Lesungen bei Kaffee und Kuchen und zu einer Textilwerkstatt ein, zum Erntedank gibt es einen plattdeutschen Gottesdienst und einen besonderen Stellenwert für den Erhalt der plattdeutschen Sprache hat das Theater auf dem Flett. In diesem Jahr übrigens mit einer Neuerung, wie der zweite Vorsitzende Axel Miesner berichtet. Als Ersatz für das Erwachsenentheater werde der Landschaftsverband Stade in diesem Oktober erstmals ein Stück mit Jugendlichen aufführen. 

Gefeiert wird am Wochenende vom 29. April bis 1. Mai. Das Festwochenende beginnt am Sonnabend um 18 Uhr mit einer Feierstunde und Ehrungen. Die Festrede hält mit Hans-Eckhard Dannenberg der Geschäftsführer des Landschaftsverbands Stade.  Vorstellen wird sich auch die plattdeutsche „Kinnergruppe“ der Heimotfrünn. Um 21 Uhr folgt ein Zapfenstreich des Blasorchesters und des Spielmannszuges Lilienthal, danach endet der erste Festtag. Der Sonntag, 30. April, beginnt mit einem plattdeutschen Gottesdienst um 10 Uhr. Eine Stunde später folgt der Frühschoppen mit dem Neustädter Shantychor, um 12 Uhr kommt eine Erbsensuppe auf den Tisch. Am 1. Mai wird das Festwochenende mit einem Frühschoppen und den Mulligan Music Makers (11 Uhr) fortgesetzt. Gleichzeitig stellen sich die Spinngruppe, die Güldner-Traktorenfreunde und die Jägerschaft mit einem Infostand vor. Zur Stärkung gibt es eine Hochzeitssuppe, bevor nachmittags um 15 Uhr die Volkstanztanzgruppen der Klostermöhrchen und die Tüschendorfer Deerns und Jungs auftreten. Dazu gibt es Angebote für Kinder.

Quelle: Wümme-Zeitung, 15. April 2017

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